Kaunertal, wo liegt das? Im Kaunertal!

Auf einsamen Straßen durch das Kaunertal

Am Reschensee war es so schön, dass wir unbedingt noch mal dahin wollten – also zumindest in die Richtung. Unsere heutige Tour ging daher ins Kaunertal zum Gletscher. In der Hoffnung, dass wir von dort einen Blick auf den Reschensee erhaschen können.

Schon um 10:30 Uhr knallte die Sonne auf unsere Haut, während wir auf dem Parkplatz des Hotels unsere Fahrräder zusammenbauten. Einerseits schön, dass der Sommer spürbar ist, andererseits doof, da wir somit mächtig leiden würden. Wir hatten Imst noch nicht ganz verlassen, da meldete sich mein Magen und wir legten den ersten Stopp ein. Bei mir machte sich das Riesen-Schnitzel vom Vorabend bemerkbar. Der Kreislauf spielte ein wenig verrückt und in der Magengegend rumorte es ordentlich. Umdrehen oder weiter fahren? Ich entschied mich gegen Max seinen Vorschlag für die Fortsetzung unserer Tour. Nach drei Minuten konnte es einfach noch nicht vorbei sein.

Zur Piller Höhe

Max fuhr nun hinter mir und ließ mich das Tempo bestimmen. Viel Zeit zum Jammern blieb auch nicht, da sofort der Anstieg zur Piller Höhe begann. Wir verließen Imst schnell und folgten der konstanten Steigung durch die Ortschaften Arzl und Wenns. Der Verkehr, der in und um Imst sehr stark ist, wurde zunehmend weniger und schon bald fuhren wir durch kleine Dorfschaften, die schönes alpines Flair verbreiteten. An einem Brunnen tankten wir unsere Flaschen wieder auf und mir fiel auf, dass sich Schimmel in meinen Flaschen gebildet hatte. Zum Glück nicht tödlich, sondern eventuell ein bisschen unangenehm für den eh schon angeschlagenen Magen.

Aufstieg zur Piller Höhe

Oben angekommen erwartete uns ein wunderschöner Ausblick auf die Inn, Landeck und viele weitere Ortschaften in der Ferne. Eine weitere Belohnung war die zehn Kilometer lange Abfahrt auf überwiegend frischem Asphalt ohne große Schlaglöcher. Ein Traum! „Leider“ vernichteten wir somit auch die schönen Höhenmeter.

Blick auf die Inn und Landeck

Durchs Tal zum Stausee

Direkt nach der schnellen Abfahrt fanden wir uns im Kaunertal wieder. Rechts und Links begleiteten uns nun Berge, während wir die Mission annahmen das erste Zwischenziel zum Gletscher zu erreichen. Es galt circa 700 Höhenmeter zu überwinden, ehe wir zu einem großen Stausee gelangen sollten. Der Weg dahin zog sich unendlich. Es gab für uns keinerlei Anhaltspunkte, wo die Straße genau verlaufen würde, so musste der Krieg wieder im Kopf geführt werden.

Wenn der Anstieg mal wieder länger dauert

Wir überholten zwei Mountainbiker, fuhren durch mehrere Tunnel und gelangten schließlich zur Mautstation, die wir kostenfrei passierten. Von nun an wurde die Eintönigkeit durch „Attraktionen“ am Wegesrand durchbrochen und mit jedem Höhenmeter ging mein Unwohlsein zurück. Nach einigen Kehren und Steigungen erreichten wir endlich den Stausee. Ein sehr surrealer Anblick in solcher Höhe einen Stausee vorzufinden. Ich gönnte mir ein leckeres Powerbar Gel in der Geschmacksrichtung „Fruit Punch“. Das allererste Gel, was mir wirklich schmeckte und ich auch als Süßigkeit verzehren würde.

Der Stausee auf 1.700 Metern Höhe

Vom Stausee zum Himmel

Es lagen nun „nur noch“ 1.000 Höhenmeter vor uns. Im Umkehrschluss: Wir hatten noch nicht die Hälfte des Aufstieges hinter uns. Zunächst ging es jedoch flach am See entlang, sodass wir unsere Kräfte kurz regenerieren konnten. Doch direkt am Ende des Stausees folgten wieder steile Kehren, die unsere Klettermuskulatur in Anspruch nahmen. Der Aufstieg wurde mehrfach von kleinen Plateaus unterbrochen, wo viele Touristen und Wanderer sich rumtrieben und die Natur genossen. Wir beide dagegen quälten uns den Berg hoch. Insgesamt ca. 35 km vom Fuße des Kaunertals – einen kleinen Nagel im Kopf bedarf es dafür wohl schon. Zum Glück fielen die Steigungen hier deutlich moderater aus als am Mortirolo, nur selten hatten wir Steigungen über 12% auf dem Garmin. Die einstelligen Steigungen um 7-8% fuhren sich fast mühelos und wie von alleine.

Bis zur Baumgrenze sind es noch einige Höhenmeter

Leider machte sich mein Knie zunehmend bemerkbar. Ich vermute nach wie vor, dass dies an meiner mangelhaften Dehnung am Vortag und den kalten Temperaturen in der Höhe lag. Einmal da, gehen die Knieschmerzen leider nicht so schnell weg. Schlimmer noch, sie verschlimmerten sich, sodass ich nicht mehr im Wiegetritt fahren konnte. Immerhin war das Fahren im Sitzen nahezu schmerzfrei. Unangenehme Nebenerscheinung: Die Oberschenkelmuskulatur kann nun nicht mehr durch den Wiegetritt entlastet werden. Das Klettern tut nun also richtig weh.

Mit mehreren Pausen schafften wir es letztlich ganz nach oben. Die Bilanz: Das Knie schmerzte und Max’ IXUS-Kamera verabschiedete sich in die ewigen Jagdgründe. Wir hätten wohl einfach im Hotel bleiben sollen.

Wundervolle Landschaft kurz vor dem Gletscher auf 2.700 Metern

Längste Abfahrt des Urlaubs

Eine richtige Belohnung für unsere Strapazen war die 35 km lange Abfahrt, in der wir es einfach rollen lassen konnten. Die vielen Kurven zu Beginn der Abfahrt machten enorm viel Spaß. Wir haben durch die letzten Touren gelernt, die Kurven richtig an- und „selbstbewusst“ zu durchfahren. Endlich konnten wir die Natur genießen, die wir im Aufstieg gar nicht richtig wahrgenommen haben. Hier sagen Bilder wohl mehr als 1.000 Worte.

Während der Abfahrt bleibt eine Menge Zeit für Spaß :)

Noch mal die Piller Höhe

Der wohl einzige Nachteil unserer Tour war die erneute Überquerung der Piller Höhe. Auf Strava gehört dieses Segment immerhin zur HC. Hier hieß es, die Zähne ordentlich zusammenzubeißen, um die Höhenmeter zu überqueren. Gedanken ans Aufgeben waren auch da, aber Max’ Motivationskünste wirkten Wunder. Wir pausierten häufig, da mein Oberschenkel ebenso heftig brannte wie die Sonne am Himmel. Immerhin war die Sicht auf die Inn zur Linken wunderschön. Wirklich lindern konnte der Ausblick aber auch nichts.

Oben angekommen – ich weiß gar nicht, wie wir das bewerkstelligt haben – entdeckten wir einen Skywalk, den wir natürlich zu einer obligatorischen Fotopause nutzen.

Die Abfahrt nach Imst war schnell, aber auch unspektakulär. Wir freuten uns einfach auf eine erfrischende Dusche nach diesem harten, warmen Tag. Lediglich eine kurze Pause bei einem MPREIS war notwendig, um Gebissreiniger zu kaufen, mit dem ich meine verschimmelten Trinkflaschen reinigen kann. Ob das funktioniert? Ich werde es wohl bald erfahren.

An dieser Stelle öffentlich ein ganz großes Dankeschön an dich, Max, dass du mich auf dieser Tour motiviert und begleitet hast!
„Wenn es nach mir ginge, hätten wir uns schon längst abholen lassen“ (Max Droste, 2010)

 

Unsere Tour auf Strava bei Philipp und Max