Quer durch den Vinschgau

Blick über das südliche Vinschgau-Tal von den Lichtenberger Höfen aus

Statt auf das Stilfser Joch ging es heute wetterbedingt auf eine „lockere“ Runde durch den Vinschgau. Am Ende sammelten wir trotzdem über 2.600 Höhenmeter, wurden aber wieder mit atemberaubenden Ausblicken belohnt.

Ein Blick auf die Webcam-Bilder und den Wetterbericht vom Stilfser Joch haben uns unsere Pläne heute morgen doch etwas hinterfragen lassen: Fahren wir wirklich da hoch, wo gerade 20 Zentimeter Neuschnee gefallen sind und die Temperaturen gerade mal über dem Gefrierpunkt sind? Schnell entschieden Philipp und ich uns dafür, heute das gute Wetter im Tal ausnutzen zu wollen und den berüchtigten Pass dann einen Tag später bestreiten zu wollen. Der neue Plan: Ganz locker in Richtung Reschensee und links und rechts noch ein paar Aufstiege mitnehmen.

Bauernhöfe mit Weitblick

Dass es dann nicht ganz so locker wird, merkten wir erst später. Zuerst genossen wir die Abfahrt aus Stilfs in Richtung Prad, um dann kurz hinter dem Ort in Richtung Lichtenberger Höfe abzubiegen. Diesen Geheimtipp hat Philipp per Zufall auf der Karte entdeckt und sogar einen Eintrag auf quäldich.de dazu gefunden: Eine einsame, aber geteerte Straße soll einige Bauernhöfe auf dem Berg mit dem Tal verbinden. Die ideale Strecke, um warm zu werden. Bei bis zu 12% und bestem Sonnenschein kamen wir dann auch gut ins Schwitzen, wurden aber bereits nach einigen Serpentinen mit traumhaften Blicken über den Vinschgau belohnt. Zwischendurch grüßten uns auch noch ein paar arbeitende Bauern – definitiv einer der schönsten Anstiege des Tages.

Die Anstiege zu den Lichtenberger Höfen bei bestem Wetter waren definitiv Highlight des Tages

Steil, steiler, Etschradweg

Nach der Abfahrt zurück ins Tal wartete der Etsch-Radweg darauf, uns bis zum Reschensee zu bringen. Irgendwie hatte ich den selbst nicht so steil in Erinnerung – ich bin ihn das letzte Mal vor acht Jahren mit meinem Papa gefahren – und wir hatten uns das irgendwie einfacher vorgestellt. Dass der Wind genau von vorne wehte, machte die teils bis zu 15% steilen Anstiege nicht einfacher. Das schadenfreudige Grinsen der entgegenkommenden Rentner, die schön bergab mit Rückenwind und teilweise E-Bikes fuhren, trug seinen Teil dazu bei. Am Ende stiegen wir bis zum Reschensee wieder genau so hoch wie auf die Lichtenberger Höfe.

Vor Burgeis wurde der Etschradweg immer steiler – so hatten wir uns das nicht vorgestellt

Steiler Ausflug ins Rojental

Bevor wir den Stausee erreichten, konnten wir bereits am Haidersee endlich wieder einen halbwegs flachen Radweg und schöne Ausblicke über den durch den Wind unruhigen See genießen. In St. Valentin war unser erstes Ziel dann die Talstation der Gondel zur Haider Alm, bevor es über den Staudamm auf die östliche Seite des Reschensees ging. Einige schöne Panoramen mit dem Kirchturm in Graun später bogen wir dann auf den Anstieg ins Rojental ab – der zweite große Anstieg des Tages. Unter der zur MTB-Strecke umfunktionierten Talabfahrt ging es zuerst wieder gut bergauf, ehe wir im ruhigen Tal angekommen ganz gut Tempo machen konnten.

Ein bisschen Touri-Programm muss sein

Von der Talstation der Rojenbahn aus wollten wir uns dann noch die Strecke bis zur Bergstation der Schönebenbahn gönnen – doch die letzten Kilometer bis auf über 2.000 Meter Höhe waren doch steiler als gedacht. Einige Quälereien später erreichten wir dann endlich das Zwischenziel – um nach einigen Erinnerungsfotos nur wieder schnell zurück zum Reschensee zu düsen. Von dort ging es über Reschen dann zum bekannten Kirchturm in Graun – ebenfalls Erinnerungsfotos machen. Hier wärmten wir uns aber gleichzeitig auch wieder etwas auf, denn mittlerweile brachten einige Wolken auch wieder kühle Luft ins Tal.

Im Rojental

Rückzieher aus dem Langtauferstal

Hinter Graun bogen wir in das Langtauferstal ein, das wir als Tipp sowohl von Papa als auch von einigen Quäldich.de-Rezensenten noch mitnehmen wollten. Doch nach etwa der Hälfte der Strecke und bereits einigen knackigen Anstiegen – an sich ist das Tal eher flach – wurden die Straßen immer nasser und der Himmel immer dunkler. Als dann aus Niesel immer mehr Regen wurde und wir befürchteten, unsere Räder später wieder komplett reinigen zu müssen, drehten wir dann doch wieder um.

Eigenartige Geräusche vom Canyon

Als wir hinter Graun wieder auf die Hauptstraße abbogen und eigentlich mit Rückenwind und Vollgas den Rückweg bestreiten wollten, bremste uns ein neues Problem aus: Philipps Canyon machte verdächtige Geräusche. Wir vermuteten erst, dass das Schaltwerk oder das Ritzelpaket zu locker sitzen würden, konnten daran jetzt aber nichts ändern und mussten wohl oder übel so weiterfahren. Doch Philipp ließ das Geräusch nicht locker und versuchte noch einige Male, die Ursache zu finden – kurz vor Mals dann mit Erfolg: Die Flasche in der Flaschenhalterung erzeugte das Knarzen. Problem gelöst und beide Flowbiker wieder glücklich – besonders Philipp.

Das Standard-Touri-Foto am Grauner Kirchturm musste sein

Klettern, um nach Hause zu kommen

Bis Prad genossen wir jetzt noch den Rückenwind, der uns quasi wie von Zauberhand nach Hause blies – zumindest, so lange wir noch nicht in Richtung Stilfs abbogen. Hinter Prad ging es dann wieder gut bergauf und wir beide waren sehr froh, nicht noch in Sulden und damit 600 Höhenmeter weiter oben eine Unterkunft gebucht zu haben. Dort geht es dann nach neuem Plan morgen zuerst hin, ehe wir uns endlich an das berühmt-berüchtigte Stilfser Joch wagen. Wünscht uns Glück und möglichst wenig Schnee!

Die Tour auf Strava von Philipp und Max