Mein Erzfeind, die Rolle

Ein Anblick, an den auch ich mich erst gewöhnen muss: Meine Wenigkeit auf der Rolle

Noch im Dezember wehrte ich mich vehement gegen das Training im Wohnzimmer – jetzt bin ich wieder bei Zwift angemeldet. Und muss gestehen: So schlimm ist es auf der Rolle gar nicht.

Eine On-Off-Beziehung mit dem Trainer

Der Indoortrainer und ich – das ist eine längere Leidensgeschichte von zwei Sachen, die irgendwie nicht zueinander passen wollen. Das erste Mal versuchte ich mich im Keller ein paar Mal auf dem selbstgebauten Rollentrainer vom Flowbabba, so richtig wollte da aber kein Funke überspringen. Vor meinem Umzug nach Berlin kaufte ich mir dann einen Tacx-Standtrainer, der wenige Male zum Einsatz kam, mit mir umzog – nur, um dann selbst wieder verkauft zu werden. Mit der Erfindung von Zwift versuchte ich mich dann letztes Jahr erneut an dem Thema und kaufte mir eine freie Rolle. Meine Hoffnung, dadurch mehr Spaß an der Sache zu haben, bestätigte sich nicht wirklich und nach drei Einsätzen landete die Rolle wieder im Keller – bis zur letzten Woche.

Indoor? – „Für mich keine Option“

Noch im Dezember fragte mich Philipp, ob wir im Winter gemeinsam „zwiften“ wollen – also in der virtuellen Trainingsumgebung Zwift zusammen zu fahren. Und getreu meinem bisherigen Motto, „nur Fahren auf der Straße ist für mich echtes Fahren“, lehnte ich ab – „das ist für mich keine Option.“ Doch nach sehr satten Weihnachtstagen und einem einfach nicht besser werdenden Wetterbericht konnte ich nicht mehr anders: Ich holte die Rolle wieder aus dem Keller und setzte mich wieder drauf. 25 Freikilometer hatte ich noch auf Zwift – genug, um dem Programm noch einmal eine Chance zu geben.

Ungewöhnlicher Ausblick von meiner Tour, für die ich nicht einmal meine Wohnung verlassen musste

Von Matt Stephens in Grund und Boden gefahren

Der Test lief gut: Die 25 Freikilometer machten sogar so viel Spaß, dass ich mich nur wenige Tage später wieder auf die Rolle setzte, bei Zwift ein Abo abschloss und eins der vorgegebenen Trainings startete – „Hill Attacks“ von Ex-GCN-Host Matt Stephens. Keine Stunde später war ich platt. Dass das Indoor-Training so unglaublich anstrengend sein könnte, hätte ich nicht gedacht. Die Intervalle haben die letzten Kräfte aus meinen Beinen gesaugt. Doch das zeigte mir auch, wie effektiv das Training im Wohnzimmer sein kann: Trainingsabschnitte lassen sich hier einfach punktgenau einhalten und die berechnete Watt-Anzeige in Zwift hilft sehr dabei, sich selbst in genau definierte Randbereiche zu bringen.

Habe ich genug Blut geleckt?

Diesen Vorzug nutzte ich auch gestern noch einmal aus und schwang mich für ein Training von GCN-Kollege Daniel Lloyd auf die Rolle. Das Wetter in Berlin sah einfach weiterhin nicht besser aus und sowohl die Kälte als auch die früh eintretende Dunkelheit waren weitere überzeugende Argumente. Doch bleibe ich auf der Rolle? Für die kalten und nassen Tage ganz bestimmt: Mit Zwift macht mir das Training auf der Rolle tatsächlich wieder Spaß und ich habe das Gefühl, mich bereits intensiv auf die Saison vorzubereiten. Doch der Wetterbericht für die nächsten Tage sieht auch schon wieder deutlich besser aus – mal sehen, wie schnell die Rolle dann wieder im Keller steht.