Abenteuer Rückflug

Das erste Mal am Mittelmeer - dank Umwegen auf dem Rückflug

Das erste Mal am Mittelmeer – dank Umwegen auf dem Rückflug

Es hätte so entspannt sein können: Rein ins Flugzeug, ein bisschen Zeit verbummeln, umsteigen und am Ende in Hamburg landen. Doch so einfach wollte es mir die Fluggesellschaft nicht machen. Am Ende kam ich mit einem Tag Verspätung an – und ohne Gepäck.

Abflug verspätet

Dass ich noch einmal ein ganz eigenes Abenteuer auf dem Rückflug erleben würde, hätte ich auf dem Weg zum Flughafen noch nicht gedacht – und auch nicht gehofft. Vor mir standen auch ohne Verspätungen oder Umleitungen 9 Stunden Non-Stop nach Oslo und anschließend ein Umstieg in einen Flieger nach Hamburg. Doch das erste schlechte Omen ließ nicht lange auf sich warten. Noch einige Stunden vor dem geplanten Abflug gab es über die Norwegian-App bereits die erste Info: Der Abflug verspätet sich. Jetzt wurde mir erstmals mulmig, denn laut Plan hätte ich in Oslo schon nur knapp anderthalb Stunden Zeit zum Umsteigen gehabt – jetzt waren es plötzlich nur noch zehn Minuten. „Der wird schon warten“, beruhigte ich mich.

Noch am putzen

Noch während ich am Flughafen von Oakland wartete, konnte ich die Maschine landen sehen. Bis die anderen Fluggäste und ich also endlich an Bord können, würde noch etwas Zeit vergehen. Die Zeit verstrich und irgendwann kam die Zeit des neu angesetzten Abflugs. Doch eine Mitarbeiterin des Flughafens bat uns um etwas Geduld: Die Reinigungsarbeiten würden noch etwas Zeit in Anspruch nehmen, in einer halben Stunde können wir aber mit dem Boarding beginnen. Doch nach 30 Minuten kam statt der Aufforderung, sich einzureihen, eine erneute Ansage: Das Putzen dauert noch einmal etwas länger.

„This is not a normal aircraft“

Mittlerweile saß ich seit fast fünf Stunden im Terminal und wartete ungeduldig darauf, dass die Reinigung endlich fertiggestellt wird. Doch stattdessen gab es plötzlich eine ernüchternde Ansage: Der Bordcomputer des Dreamliners kann nicht mehr hochgefahren werden, ein Team sei bereits mit der Behebung des Fehlers beschäftigt. Ob das innerhalb von fünf Minuten oder einer Stunde geschehe, sei aber nicht abzusehen. Eine Begründung: „As you know – this is not a normal aircraft.“ Also warten. Beim Blick aus dem Fenster konnte man ab und zu die Positionslichter an- und ausgehen sehen, aber viel veränderte sich nicht. Meine größte Befürchtung war in diesem Moment übrigens nicht, dass das Flugzeug eventuell nicht mehr richtig fliegen könnte. Ich hoffte einfach nur, dass das Entertainment-System nicht betroffen war. Neun Stunden ohne digitale Bespaßung wären ganz schön anstrengend geworden.

Umweg ans Mittelmeer

Dann irgendwann die erlösende Nachricht: Die Computer funktionieren wieder und das Boarding kann beginnen. Mittlerweile war es fast zehn Uhr, es ging am Ende also mit über drei Stunden Verspätung in Oakland los. Ich war sehr gespannt, was mich später in Oslo erwarten würde. Doch erst einmal ging es wieder über den Atlantik, dieses Mal über Kanada und Grönland. Und ich hatte auf dem Rückflug sogar endlich den ursprünglich gebuchten Platz mit mehr Beinfreiheit. Kurz vor Ankunft in Norwegen gab es dann die Ansage vom Piloten bezüglich der Anschlussflüge. Alle anderen Verbindungen konnten irgendwie umverteilt werden, nur bei einer gab es ein größeres Problem: Natürlich bei meiner. „… Passengers to Hamburg, that’s a bit more complicated“, warnte der Kapitän schon vor, „you’re gonna take the 8pm machine to Barcelona, stay there for the night and continue your journey tomorrow.“

Nur nicht die gute Laune verlieren: Meine Mitstreiterin Corinn und ich in Barcelona

Nur nicht die gute Laune verlieren: Meine Mitstreiterin Corinn und ich in Barcelona

Wo ist mein Gepäck?

Meine Sitznachbarin und ich guckten uns überrascht an und stellten so direkt fest, dass wir beide das gleiche Schicksal teilten. Als eine Stewardess mit „weiteren Informationen“ durch die Gänge kam, fragten wir direkt nach anderen Möglichkeiten. Doch sie wusste auch nicht mehr, als ihr Telegramm ihr sagte. Ihr Trost: „Hey, you’re going to Barcelona, isn’t that cool?“ So cool fanden wir es eigentlich nicht, wir beide wollten einfach nur nach Hause – beziehungsweise meine Sitznachbarin Corinn zu ihrem Freund. Sie hatte gerade ihren Bachelor in der Tasche und wollte jetzt nach Kiel ziehen. Kaum gelandet und durch den Security-Check direkt die nächste Ernüchterung: Wir müssten unser Gepäck jetzt auch einsammeln und noch einmal neu nach Barcelona aufgeben. Doch meine Kiste tauchte und tauchte nicht auf dem Gepäckband auf. Mittlerweile war eine Maschine nach Berlin weg, von der ich erst noch hoffte, sie vielleicht nehmen zu können.

Keiner weiß Bescheid in Barcelona

Als nach langer Wartezeit auch mein schon verschwunden geglaubtes Gepäck ankam, hechteten Corinn und ich schnell von der Ankunfts- zur Abflugshalle und dort zum Norwegian-Schalter. Doch leider gab es tatsächlich keine anderen Optionen, als nach Barcelona zu fliegen – der Flieger nach Berlin, der bereits am nächsten Morgen in Oslo gestartet wäre, war bereits voll. Also Gepäck aufgegeben und zum Flieger nach Spanien aufgemacht. Als wir am Mittelmeer ankamen – übrigens mein erstes Mal dort – war es schon elf Uhr abends. Wir wollten einfach nur noch in das Hotel und schlafen. Doch wohin? Vergeblich suchten wir nach Informationen für uns. Der eine Mitarbeiter von Norwegian, den wir noch fanden, wusste von nichts, kümmerte sich aber lieb um uns und organisierte uns ein Hotel. Doch leider lief anscheinend etwas schief und es gab nur ein Hotelzimmer für uns beide – immerhin mit getrennten Betten.

Das Gepäck ist weg

Zum Glück verstanden wir beide uns gut und kannten uns durch unser kleines Abenteuer ja mittlerweile auch etwas, doch vorgestellt hatten wir beide uns das etwas anders. Nach einer kurzen Nacht in einem dafür recht schicken Hotel und einem sehr guten Frühstücksbuffet ging es am nächsten Morgen schon früh wieder in Richtung Flughafen, in den Flieger und dann endlich nach Hamburg. Dort der nächste Schock: Mein Gepäck tauchte wieder nicht auf dem Fließband auf – nur das Fahrrad hatte ich bereits aufgegabelt. Nachfrage beim „Lost Luggage“-Schalter: Meine Kiste steht noch in Barcelona. Na toll. Immerhin ich war jetzt schon in Hamburg und meine Mutter wartete schon ungeduldig in der Ankunftshalle – alle anderen Fluggäste aus Barcelona waren schon weg. Mit einem Zettel, der mein Stück Gepäck quasi voerst ersetzte, kam ich dann nach einer weiteren halben Stunde auch endlich aus der Gepäckabgabe. Meine Sachen sollten noch einmal zurück nach Oslo fliegen und dann einen Tag später nach Hamburg kommen. Am Sonntag hielt ich dann endlich wieder alles in meinen Händen – und möchte so schnell erst einmal wieder keinen Langstreckenflug unternehmen.