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Alpen Max

Endlich wieder Alpen

Zwei Jahre nach der letzten Ausfahrt in den Alpen konnte ich endlich wieder mein Rad mit in die Berge nehmen. Der erste Tag führte mich über ruhige Nebenstraßen durchs Passeiertal – traumhafte Ausblicke inklusive.

Endlich wieder Urlaub, endlich wieder nach Südtirol. Und vor allem: Endlich wieder mal mit dem Rad im Gepäck. Wobei ich das ziemlich wörtlich genommen habe: Um den unflexiblen Fahrradplatz in ICE und Eurocity zu sparen, habe ich mein Ultimate einfach in eine Tasche gepackt, auf die Schulter genommen und so per Zug transportiert. Dass das an dem ersten Samstag der Ferien in Berlin und Brandenburg vielleicht nicht die allerbeste Idee war, sei dahingestellt. Doch bei der ersten Ausfahrt heute merkte ich schon nach wenigen Kilometern: Schulterschmerzen und Stress haben sich definitiv ausgezahlt.

Wenn schon viele Touristen unterwegs sind und die Straßen füllen, dann will ich im Urlaub möglichst wenig davon sehen. Mein Plan ist daher, möglichst wenige der bekannten Pässe und umso mehr unbekannte Nebenstraßen oder Sackgassen zu befahren. Von Meran aus startete ich heute deshalb nicht direkt ins Passeiertal, sondern erst einmal nach Schenna. Zwar erst noch über etwas vollere Straßen, das legte sich dann aber recht schnell. Die Höhenmeter-Anzahl auf dem Wahoo wuchs in rasantem Tempo und schon jetzt gab es wunderschöne Ausblicke nach Meran und weiter Richtung Vinschgau – ein Traum. Ein kurzer Fotostopp musste sein – und das nach gerade einmal vier Kilometern. Ich war so zufrieden, mir hätte es jetzt auch schon gereicht.

Nach nur vier Kilometern, aber immerhin schon 300 Höhenmetern, bot sich dieser wunderschöne Ausblick über Schenna ins Vinschgau

In Verdins endete mit der Talstation der Seilbahn dann die breitere Straße und ich konnte schmale Wirtschaftswege fast ganz für mich allein genießen. Eine Brücke über eine schmale Schlucht bot direkt den nächsten Fotostopp. Ab und an ein einheimisches Auto, dann sogar ein kurzer Tunnel (Licht hatte ich natürlich vergessen). Es folgten die schönsten Serpentinen, die ich seit langem gefahren bin. Die Straße leer, der Himmel wolkenlos, der Ausblick traumhaft. Natürlich musste mich hier ein E-Mountainbiker überholen. Abgesehen von ein paar anderen Mountainbikern und Wanderern blieb es aber ruhig. An die Familie und die Basis in Meran schickte ich ein Foto meiner aktuellen Aussicht mit dem Kommentar: „Ich bin im Paradies!“

Wie aus dem Bilderbuch: Ein Aufstieg (fast) ganz für mich allein

In der Nähe der Bergstation der Seilbahn ging es dann in die erste Abfahrt. War mir beim Aufstieg noch ziemlich warm, brauche ich jetzt wieder die Windjacke. Auf dem Weg zurück ins Passeiertal merkte ich: Das war eine gute Idee, nicht auf dieser Seite hochzufahren. Viel Schatten, weniger schöne Ausblicke, dafür ein etwas besserer Straßenbelag – ideal für eine schnelle Abfahrt. Da mir auch hier kaum Autos begegneten, war das sogar ziemlich entspannt und ich konnte jede Serpentine genießen.

Unten angekommen dann einer der nicht so schönen Abschnitte: Über die Staatsstraße im Tal ging es für knapp sechs Kilometer bis nach St. Martin. Von Überholabstand haben leider weder die Italiener noch die ganzen deutschen Touristen hier gehört, zum Glück war nicht ganz so viel los wie in meiner Erinnerung. Der Autos wegen war ich dann froh, endlich zum zweiten Aufstieg abbiegen zu können. Die plötzliche Steigung dann zwang mich dann doch erst einmal zur Pause. Windjacke wieder aus, Riegel rein. Die Beine machten sich jetzt deutlich bemerkbar. Das Wahoo sagte mir, dass das hier genau so steil sein soll wie der Aufstieg von Schenna, meine Beine maßen aber mindestens 20 %. Das Wahoo lügt doch!

Wieder überholten mich E-Mountainbiker. So etwas Unterstützung hätte ich in diesem Moment auch gerne, wenigstens zwei weitere kleine Gänge. Wie bin ich mit dieser Übersetzung vor zwei Jahren den Mortirolo hochgekommen? Die Aussicht war hier gefühlt auch nicht mehr so schön, der Wind kam von vorn, die Regenrinnen störten mich. Irgendwie alles unbefriedigend. Doch dann lichtete sich der Wald, links wieder alles grünes Gras, rechts der weite Blick bis St. Leonhard. Ein paar mehr Pausen mussten sein, aber das zahlte sich aus: Die Beine machten auch wieder mit. In Christl konnte ich dann sogar noch das Wasser an einem ganz besonders schönen Brunnen auffüllen.

Interessante Form für einen Brunnen

Von Christl aus dann komplett neu asphaltierte Straßen, weiterhin ohne jeglichen Verkehr. Links grasten die Kühe, ab und zu grüßten die Wanderer. In Breiteben dann kurzer Schock: Ende des Wirtschaftsweges und weiter auf einer laut Wahoo größeren Straße. Doch die war letztendlich genau so breit wie die Wege zuvor, bestens ausgebaut – und mir kam tatsächlich nur einmal der obligatorische Fiat Panda entgegen. Ansonsten schöne Abschnitte durch kleine Wälder, immer wieder Jesus am Straßenrand und danach die Erleuchtung bei der Abfahrt von Platt nach Moos – traumhafte Ausblicke inklusive.

Kurz vor Breiteben

In Moos überkam mich der Hunger nach Kuchen, überall saßen Menschen. Doch mir war das dann doch zu voll, also nach einer kurzen Pause auf einer kleinen Bank oberhalb der Stadt dann weiter nach oben. Das Schild kündigte schon das Timmelsjoch an, heute aber lieber nicht mehr. Ich folgte meiner geplanten Route nach Stuls. Erst einmal wieder ganz schön bergauf, die Beine waren so gut wie leer. Ursprünglich wollte ich mich mit einer kürzeren Runde warmfahren, aber hab irgendwie übersehen, dass das auch die Strecke mit den meisten Höhenmetern ist. Augen zu und durch. Wobei: Lieber Augen auf, unten wurden die Häuser und Straßen immer kleiner, St. Leonhard lag wieder wie eine Modellstadt vor mir.

Hinter Stuls warteten wieder schmale und leere Wirtschaftswege auf mich

Bis Stuls war die Straße noch recht ausgebaut und ab und an kamen auch ein paar Autos vorbei, danach wurde die Strecke wieder zum Geheimtipp. Es war hier so ruhig, dass sogar die paar Spaziergänger mitten auf der Straße gingen. Später wurde die Straße auch wieder schmaler und Schilder sagten mir, dass hier nur „frei für Ermächtigte“ wäre. Ich hab die Region in Komoot freigeschaltet, das sollte doch ausreichen. Vorbei an zwei Wasserfällen, wo bin ich hier nur gelandet, so schön! Dann eine Abfahrt über nicht mehr ganz so gut asphaltierte Straßen, wenn man etwas mehr bremst hat man eh mehr Zeit, die Aussicht zu genießen. Kurz verfahren und auf dem Jaufenpass gelandet, dann eben hier herunter, die breiten und ausgebauten Serpentinen haben auch etwas.

Von St. Leonhard aus ging es dann leider über die Staatsstraße zurück. Zum Glück wieder nicht ganz so viel Verkehr, trotzdem ein ziemlich knappes Überholmanöver. Dazu diese plötzlichen Anstiege, ich dachte es geht nur noch bergab! Die Beine brannten, die Autos machten Angst, zum Glück hab ich mir noch vor Meran noch ein kurzes Stück Radweg zwischen den Apfelplantagen eingebaut – inklusive rasanter Abfahrt. Fast noch mit dem Apfel-Trecker kollidiert, vielleicht doch etwas langsamer fahren, wenn man schon so grau ist. Die letzte Überraschung: Zur Straße zurück geht’s steil bergauf. Noch einmal die letzten Körner verbrennen, hier gucken Leute, jetzt kann ich auch nicht mehr absteigen.

Zielfoto auf dem Steinernen Steg in Meran

Das Zielfoto gibt’s auf dem Steinernen Steg mit Blick auf dem Pulverturm, was für ein genialer Tag auf dem Rad! Ich komme aus dem Schwärmen kaum noch heraus, wie soll das in den nächsten Tagen noch getoppt werden? Die Beine haben sich jetzt erst einmal einen Ruhetag verdient, dann geht die Suche nach möglichst leeren Straßen weiter.

2 Antworten auf „Endlich wieder Alpen“

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