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Flowbiker Langstrecke

Die Weser in 24 Stunden

Im Rahmen der Apidura Parallels Challenge wagten Philipp und ich uns auf ein Experiment: Wie weit würden wir es in 24 Stunden schaffen? Unser Ziel: Die Weser von ihrem Beginn bei Kassel bis zur Mündung in die Nordsee abfahren.

Die Idee der vom Radtaschen-Hersteller Apidura ins Leben gerufene Challenge “Parallels” ist eigentlich ganz einfach: Fahre am Wochenende der Sommersonnenwende in 24 Stunden so weit wie du kannst, die Luftlinie zwischen Start- und Endpunkt zählt. Das gibt einem erst einmal die Idee, tatsächlich nur geradeaus zu fahren, damit man am Ende des Tages eine möglichst lange Distanz auf der Karte hinter sich gebracht hat. Mitmachen wollte ich auf jeden Fall – mit der Tour von Berlin nach Detmold hatte ich gerade erst wieder Blut geleckt und eine solche Challenge kam mir da gerade recht.

Als ersten Ansatz hatte ich vor, einfach nur geradeaus nach Süden zu radeln. Start am Abend, damit man die Nacht direkt zu Beginn hinter sich hat. Zusätzlich wollte ich einen Schlafsack mitnehmen, um zwischendurch, spätestens aber nach den 24 Stunden irgendwo auf einer Bank schlafen und anschließend irgendwie zurückfahren zu können. Als ich Philipp von der Idee erzählte, war er sofort mit dabei. Allerdings hatte er eine noch bessere Idee: Warum nicht statt einer langweiligen geraden Linie eine mit einer Story fahren? Da er aktuell sowieso oft auf dem Weserradweg unterwegs war, brauchte er nicht lange überlegen: Die Weser von ihrem Ursprung bis zur Mündung fahren – das müsste man doch etwa in 24 Stunden schaffen.

Los geht’s!

24 Stunden bis zur Nordsee

Am Samstag stieg ich also ziemlich früh in einen der ersten ICEs in Richtung Süden, um mit Umstieg in Eisenach und einer entspannten IC-Fahrt pünktlich um neun Uhr in Kassel am Bahnhof auf Philipp zu treffen. Der kam seinerseits mit dem Regionalexpress angereist, wobei seine Anfahrt dank einer E-Bike-Truppe, die ihm alle Fahrradplätze im Zug blockierte, nicht ganz so komfortabel war. Nach einem kurzen Stärkungsstopp beim Bäcker und dem schnellen Eincremen mit Sonnen- und Gesäßcreme ging es dann direkt los: Auf an die Nordsee!

Dass wir von nun an mehr als einen ganzen Tag lang auf dem Rad sitzen würden, schien uns zu diesem Punkt noch total surreal. Wir rollten durch kleinere Straßen aus Kassel heraus und folgten ziemlich schnell der Fulda. Bereits hier war alles wunderschön, rechts und links zogen die Hänge steil hinauf und auf den Radwegen waren bereits viele andere Radfahrer unterwegs. Noch kam uns das eher wie eine kleine Flowbiker-Ausfahrt vor, vor allem weil wir ein wirklich gemächliches Tempo fuhren. Wir wollten nichts riskieren: Möglichst wenig Druck auf den Pedalen, das müsste man ja schließlich auch lange durchhalten können.

Schnell ein offizielles Startfoto am Weserstein in Hannoversch Münden geschossen – dann mussten wir schnell für die nächsten Touristen Platz machen

Von Campingplatz zu Campingplatz

Lange mussten wir nicht fahren, da kamen wir bereits in Hannoversch Münden an – unserem eigentlichen Startort: Hier verbinden sich Fulda und Werra in die Weser. Von hier an würden wir nun also wirklich immer Seite an Seite mit dem wilden Fluss fahren. Ein schnelles Foto am Weserstein gemacht und weitergeritten. Was direkt hier auffiel und sich eigentlich die gesamte Zeit am Wasser weiter fortsetzen sollte: Überall sind riesige Campingplätze angesiedelt, Wohnwagen en masse. Die Weser als Urlaubsparadies – für uns immerhin an diesem Wochenende auf dem Rad.

Urlaubshaft war auch das Wetter: Noch wenige Tage vorher war für das Wochenende ziemlich viel Regen und Gewitter vorhergesagt. Wir bekamen das Gegenteil, und so quälten wir uns bei bereits warmen Temperaturen ein paar kleinere Anstiege am Ufer der Weser hoch und wieder herunter. Hier zwischen Hessen und Niedersachsen fließt die Weser wirklich noch durch ein ziemlich tiefes Tal, die Landschaft war entsprechend traumhaft. An einem kleinen Stück wartete sogar ein fast 20 % steiler Anstieg auf uns, vor dem Philipp mich schon länger vorwarnte. Doch das klappte trotz Gepäck ganz gut und wir konnten eine umso schnellere Abfahrt zurück zur Weser genießen.

Auch das klassische Flowbiker-Selfie durfte natürlich nicht fehlen – noch ganz guter Dinge am Anfang der Reise

Das Wettrennen mit den E-Bikern

Puncto Gepäck: Den ursprünglich geplanten Schlafsack und die Luftmatratze hatte ich dann doch nicht mit, weil ich einerseits in der Apidura Satteltasche mehr Platz als geplant für Süßigkeiten brauchte und andererseits irgendwie eh damit rechnete, dass wir einfach durchfahren würde. Für alle Fälle hatten Philipp und ich je eine Rettungsdecke dabei. Ansonsten natürlich noch genug Anziehsachen für die Nacht und wie schon beschrieben viel Essen. An Akkus konnte ich dieses Mal sparen, da ich eigens für diese Tour endlich ein Laufrad mit Nabendynamo angeschafft habe. Mit passendem Frontstrahler von Busch und Müller konnte ich so nicht nur ohne Batteriesorgen alle Wege ausleuchten, sondern auch noch per USB Garmin, Handy oder Rücklicht laden. Unendlich Strom! Nettes Gimick: Das Licht hat neben einem tollen Tagfahrlicht noch eine Lichthupen-Funktion. Was man sich als Fahrradfahrer eben immer schon gewünscht hat. Bling Bling!

Die Zeit verging besonders über den Mittag ziemlich schnell. Philipp und ich hatten uns auch seit Weihnachten nicht gesehen und viel zu erzählen, zwischendurch hörte Philipp noch etwas Podcast und ich genoss die Umgebung. Zwischen Bad Karlshafen und Höxter wiederum war aufpassen angesagt, hier war der Weserradweg ziemlich voll und es kostete einiges an Konzentrations- und Muskelkraft, die vielen E-Biker aufzuholen und zu überholen. Fast fühlte man sich hier wie auf der Radautobahn. In Höxter dann erst einmal Mittagspause mit Flammkuchen und Corona-Formularen. Besonders schön: Die Innenstadt, hier hatten wir beide es irgendwie nie hingeschafft. Und dabei hat Philipp hier drei Jahre lang studiert.

Die Weser-Steilküste kurz vor Bodenwerder

Wunderschöne Landschaften im Weserbergland

Mittlerweile war es 15 Uhr und ein Blick aufs Garmin zeigte, dass wir “erst” 100 Kilometer geschafft hatten. Andererseits war alles gut: Wir wollten ja gerade langsam fahren und daneben hieß das, dass wir bereits fast ein Viertel der gesamten Strecke hinter uns haben – also noch genügend Zeit bis zum nächsten Morgen, um die Nordsee zu erreichen. Wir radelten weiter durch Holzminden und kamen an Polle vorbei, wo wir bereits einmal vor ein paar Jahren auf der anderen Seite der Weserfähre standen und vergeblich auf diese gewartet hatten. Heute war hier Betrieb und viel los. In Bevern konnten wir die “Steilküste” der Weser bestaunen, dann folgten zwischen Bodenwerder und Hameln weitere Campingplätze und natürlich eine der Hauptattraktionen an der Weser: Das Kernkraftwerk Grohnde.

In der Rattenfängerstadt dann wieder kurze Pause zum Umfüllen des Süßigkeiten-Treibstoffs aus den Gepäcktaschen ins Handgepäck. Ich hatte hier übrigens das zweite Mal meine neue Oberrohrtasche von Benu-Bags aus St. Pauli mit dabei, erneut war ich einfach begeistert. Warum hatte ich das nicht vorher? In meinem eigenen “Handschuhfach” war genug Platz für Riegel, Ladegeräte, Powerbank, Smartphone, Taschentücher und Airpods. Alles, wo man mal während der Fahrt ran muss und was am Rücken im Trikot vielleicht stört.

Leere Straßen und idyllische Stimmung hinter Rinteln – generell war auf der gesamten Strecke trotz Wochenende sehr wenig los

Kaiser Wilhelm im Sonnenuntergang

Im Gegensatz zum Weserradweg waren die Straßen den Tag über übrigens schon immer recht leer, teilweise kam es mir schon vor wie an einem Sonntag. Umso schöner war es, wenn wir mal abschnittsweise über Landstraßen der Weser folgten, mittlerweile wurde das Wesertal auch immer breiter und die Berge rechts und links wirkten immer kleiner. Jetzt gegen Abend wurde es noch einmal leerer, auch auf den Abschnitten, die wir wieder auf Radwegen fuhren. In Rinteln dann kurzer Zwischenstopp beim Griechen und noch einmal Energiereserven füllen für die Nacht. Kurz hinter der Stadt hielten wir dann noch einmal an, um uns bereits Arm- und Beinlinge anzuziehen und die Windjacken im Trikot griffbereit zu verstauen.

Jetzt begleitete uns eine wunderschöne Abendsonne auf den nächsten Kilometern: Es war noch angenehm warm und wir rollten entlang der Weserbahn am einzigen lippischen Weserhafen Erder vorbei, ein kurzer Blick über den Fluss in die Heimat. In Uffeln fünf Minuten vor Ladenschluss noch ein kurzer Stopp bei der Tankstelle, um Wasser für die Nacht nachzufüllen. Anschließend ein weiteres Highlight: Direkt neben der A2 überquerten wir die Weser, Seite an Seite mit den lauten LKWs. Kurz nach Sonnenuntergang erreichten wir erst Porta Westfalica, wo die letzten Sonnenstrahlen das Kaiser-Wilhelm-Denkmal bestrahlten; dann Minden, wo wir dann noch einmal das Wasserstraßenkreuz bestaunen konnten. Und jetzt galt es: Windjacke raus, Licht an – los geht die Nacht.

Wieder mit Arm- und Beinlingen durch die Abenddämmerung in die Nacht

Im Flow durch die Nacht

Durch eine ganze Nacht gefahren bin ich bis auf den Canyon Night Ride vor ein paar Jahren noch nie und hatte ehrlich gesagt auch etwas Respekt davor, besonders so alleine. Die Male, die ich in Brandenburg oder letztens auch auf der Fahrt nach Detmold im Dunkeln gefahren bin, hatte ich doch immer recht große Angst vor wilden Tieren – vielleicht auch unbegründet. Aber man hört es rechts und links einfach immer rascheln und je dunkler es wird, desto mehr Augen gucken einen da aus dem Gebüsch an. Zum Glück hatte ich Philipp dabei, der mir einiges an Angst nahm. Dazu führte die Strecke so gut wie nie durch einen tiefen Wald, sondern ja weiterhin entlang der Weser. Und in dieser kürzesten Nacht des Jahres wurde es dann auch nie wirklich ganz dunkel, irgendwo am Horizont leuchtete es immer noch etwas.

Philipp hatte mir bereits zu Beginn versprochen, dass das Stück hinter Minden besonders schön wird – hier könne man quasi die rechte Hand raushalten und über die Weser streifen lassen. Und er hatte nicht zu viel versprochen: Der Weg führte uns wirklich direkt am Wasser entlang, das komplett still neben uns lag. Nach einem Tag mit teilweise recht viel Gegenwind aus Norden (warum weht der ausgerechnet an diesem Wochenende aus dieser Richtung?) war es nun fast windstill und komplett ruhig. Ein paar Angler ließen sich nicht von uns stören und unsere Lichtkegel leuchteten den schmalen Radweg vor uns aus, wo ab und an ein kleines Tier im Schilf verschwand. Spätestens jetzt waren Philipp und ich jeweils wieder voll im Flow – durch die Nacht.

Erster Tiefpunkt in der Nacht: Schlechte Betonplattenwege und Kälte haben uns leicht zugesetzt

Löchrige Betonplatten tun besonders weh

Mit dem klaren Sternenhimmel über uns verflogen die Kilometer jetzt nur so, jeder fuhr für sich, meist einer abwechselnd hinter dem anderen. Wenn ich vorne war, brauchte ich eigentlich nur nach vorne gucken, ob ich einen Schatten warf – dann war alles gut und Philipp noch hinter mir. Irgendwann hinter Stolzenau verschwand mein Schatten dann jedoch immer mehr, ein Blick nach hinten und ich sah Philipp recht weit weg. Die Betonplatten an dieser Stelle forderten ihren Tribut und machten sich sowohl im Hintern als auch im allgemeinen Gemüt bemerkbar. An unserem ersten Tiefpunkt in der Nacht entschieden wir also, uns das Leben nicht unnötig schwer machen zu wollen und planten um. Statt der von Philipp geplanten Strecke direkt an der Weser folgten wir nun einer langen Bundesstraße – die hatte sogar einen Radweg und war zudem ziemlich leer und gut zu fahren.

Weiter ging es durch die Nacht. Mittlerweile zog sich die Zeit doch ganz schön und wir konnten es wie beim Canyon Night Ride kaum noch erwarten, dass es endlich wieder heller wird. Ab drei Uhr hatte auch ich meinen mentalen Tiefpunkt und trat nur noch vor mich hin. Trotz Handschuhen (wir hatten ja von unseren kalten Erfahrungen an der Mosel gelernt) war mir unglaublich kalt und auch wenn der Himmel langsam wieder heller wurde, kroch die Zeit nur zäh voran. Nienburg, Hoya, Verden – alles Orte, an denen wir vor zehn Jahren auf dem Weg nach Cuxhaven schon einmal hergeradelt sind, aber im dunkeln sind alle Katzen grau und ich wollte einfach nur noch ankommen.

Am Horizont wird es zwar schon wieder heller, doch die dicken Nebelschwaden lassen es noch einmal so richtig kalt werden

Der Nebel des Grauens

Bei Achim kam Bremen zwar bereits in Reichweite, jetzt legten sich jedoch riesige und dichte Nebelschwaden über die Felder und Straßen. Wie Dementoren durchzogen diese den Körper und saugten mit ihrer feuchten Luft die letzte Wärme aus uns heraus. Gleichzeitig wollte auch mein Körper nicht mehr so richtig. Ich war einfach nur müde und die Augen fielen mir immer länger zu. Dazu schmerzten der Hintern, die Knie und der linke Knöchel. Etwas Trost spendeten die hunderten wilden Kaninchen, die jetzt mit den ersten Sonnenstrahlen auf den Deichen immer vor unseren Rädern herranten. Was für ein niedlicher Anblick!

Kaum in Bremen angekommen, legte ich mich bei einer kurzen Pause an der Weserpromenade zwischen viel Müll und Scherben auf die Bank für einen Powernap. Richtig wegdösen konnte ich nicht, dafür fror ich viel zu sehr, aber die paar Minuten haben doch geholfen, sich jetzt noch einmal für die letzten Stunden aufzuraffen. Philipp war währenddessen deutlich besser drauf, er hatte sich in der Nacht zwei Koffein-Energy-Gels einverleibt, die anscheinend gut gewirkt haben. Während Philipp mich also weiter damit motivierte, dass jetzt gleich nach Bremen das zweite der schönsten Stücke kommen würde, kroch ich nur langsam hinter seinem Hinterrad her.

Powernap auf der feuchten Bank an der Weser – besser als nichts

Nicht enden wollende Reetdächer

Eine kleine Überraschung gab es vorher doch noch: Wir fuhren über die aus Extra 3 bekannte Stephanibrücke, auf der der Radweg aus Gewichtsgründen auf die halbe Breite gesperrt ist. Danach hielten wir die Augen auf nach einer offenen Bäckerei oder Tankstelle, doch Bremen schien zu dieser frühen Stunde an einem Sonntag wirklich noch wie ausgestorben. Ganz nett: Die kleinen, engen und immer gleich aussehenden Reihenhäuser in verschiedenen Farben mit ihren kurzen Treppen davor ließen uns fast denken, wir seien in England gelandet. Nicht viel später fanden wir uns aber wieder schon im Neustädter Hafengebiet mit seinen riesigen Hallen und Straßen wieder und nicht lange danach auch schon auf den Deichen zwischen den Schafen, mit denen Philipp sich immer wieder gerne unterhielt.

In Ritzenbüttel verließen wir dann den Deich und bogen leicht links ab, um jetzt immer genau dahinter zu bleiben. Auf der einen Seite also Deich, auf der anderen wunderschöne Reetdachhäuser in einer nicht mehr enden wollenden Schleife. So schön es war: Es kam und kam einfach kein Reetdachhaus mit integriertem Bäcker. Stattdessen die Lürssen Werft. Erst in Berne konnten wir schon von weitem erkennen, von was die paar Autos an diesem Morgen alle magisch angezogen wurden: Der Backshop im Edeka betrieb auch an diesem Sonntag seine Brotsimulation, für uns reichte das und wir konnten uns endlich wieder mal etwas anderes als Süßigkeiten schmecken lassen. So langsam hatte ich genug von Duplo White (dass ich das nochmal sagen würde?)

Zwischen Nebel, Sonnenaufgang und hunderten Kaninchen ging es weiter über die Deiche

In 24 Stunden bis nach Brake

Mittlerweile war es auch schon wieder ganz schön warm, die Arm- und Beinlinge landeten in den Taschen und die nächste Schicht Sonnencreme auf der immer noch klebrigen Haut, auf der sich noch genügend Insekten vom Vortag verfangen hatten. Und ehe wir uns versahen, waren die 24 Stunden um: Um 09:30 Uhr erreichten wir gerade Brake, das Garmin zeigte 432 Kilometer. 24 Stunden-Challenge: Geschafft! Die Weser allerdings noch nicht. Bis Bremerhaven war es jetzt allerdings auch nicht mehr weit und schneller als wir dachten schlengelten wir uns durch Nordenham bis zur Weserfähre durch. Mein Körper und mein Kopf waren komplett am Ende, Philipp dagegen strotzte nur so vor Energie und entschied sich auf der Fähre, noch bis Cuxhaven weiterzufahren. Für mich war das Vorhaben geschafft: 24 Stunden am Stück und die Weser von Anfang bis Ende abgefahren.

Leider mussten Philipp und ich uns jetzt recht schnell trennen, weil mein von mir ausgesuchter Zug bereits in wenigen Minuten abfahren sollte. Ich eilte also zum Bahnhof, nur um festzustellen, dass ich doch keine Fahrradtickets mehr für den Fernverkehr an diesem Sonntag buchen konnte – alles ausgebucht. Den Regionalverkehr ließ mich die App auch nicht buchen, ich kaufte also erst mal nur schnell ein viel zu teures Einzelticket für mich und mein Fahrrad nach Bremen, wo mir zum Glück eine nette Beraterin im Reisezentrum ein Ticket kaufen konnte. Leider auch nicht für ICE oder IC, dafür habe ich jetzt einmal alle Regionalexpresslinien zwischen Bremen und Berlin kennengelernt. Was für eine Odyssee: Erst um 19 Uhr erreichte ich, nun komplett fertig mit den Nerven, die Hauptstadt.

Fast am Ziel: Jetzt nur nicht von den Schafen ablenken lassen

Vielleicht doch mal Koffein?

Die Zufriedenheit stellte sich erst etwas später ein. Dennoch bleibt es bei einigen Sachen, die ich definitiv anders machen würde, wenn ich noch einmal so ein Projekt angehen sollte: Wohl am wichtigsten ist es mir eigentlich, bei einer so langen Strecke in meinem Tempo und mit meiner Taktik fahren zu können, das habe ich abschließend bemerkt. So schön es mit Philipp war, diese nur 60 Kilometer mehr haben mich – sicherlich auch wegen der Nacht – am Ende einfach deutlich fertiger gemacht als die Tour über den Brocken, nach der ich mich wundervoll fühlte. Außerdem würde ich direkt vor einer Nacht starten, damit diese noch möglichst wach und frisch durchfahren werden kann – das war in diesem Fall wegen der Rückfahrt nicht möglich. Aber auch das ist ein Punkt: Entweder vorher Fernverkehr buchen (Zeitdruck) oder eben mehr Zeit nach hinten mitnehmen. Daneben würde ich definitiv weniger Süßigkeiten und mehr Frisches mitnehmen.

Aber wer weiß – vielleicht läuft es auch darauf hinaus, dass ich künftig doch lieber mit Schlafsack und Zelt auf längere Touren gehe. Ganz entspannt im Bikepacking-Modus über den Tag und immer mit der Option, Abends irgendwo zelten zu können. Philipp dagegen hat ziemlich Blut geleckt und möchte am liebsten direkt noch einmal los und noch weiter fahren. Vielleicht sollte ich auch einfach mal diese Koffein-Gels probieren?

Die Tour auf Strava von Philipp und von mir

2 Antworten auf „Die Weser in 24 Stunden“

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