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Max

Magdeburg

Nachdem Philipp mich letzten Sonntag besuchte, um mit mir meine erste RTF zu fahren, hatte ich von langen Distanzen wieder Blut geleckt. Da die knapp 160km „Jenseits der Havel“ (oder auch „Jenseits der A10“) gut funktionierten, wollte ich wissen, ob ich immer noch an die Cuxhaven-Standards und langen Etappen gewöhnt bin. Nach kurzen Überlegungen waren Magdeburg als mein Tagesziel gefunden, die Strecke geplant und meine Sachen gepackt. Trotz der guten Erfahrung der RTF war mir doch ein wenig mulmig. Schaffe ich so eine Distanz auch solo? Komme ich trotz Bahn-Streiks wieder zurück? Angespornt von Philipps 380km-Trip zur Ostsee schwang ich mich am Samstag dann trotzdem motiviert aufs Rad – ganz nach dem Motto „No Risk, No Fun“.

Verbesserungsfähige Routenplanung
Verbesserungsfähige Routenplanung

Um 9:40 Uhr, etwas später als eigentlich geplant, startete ich also bei dichtem Nebel in Mariendorf. Die ersten Kilometer achtete ich noch sehr genau darauf, möglichst „normal“ zu fahren und meinen Puls ruhig zu halten – auf meiner Hausrunde gar nicht so einfach. Hinter Siethen bog ich dann jedoch von dieser ab und begab mich auf ganz neues Terrain. Kurz darauf musste ich leider direkt feststellen, dass meine geplante Route über einen Feldweg verläuft. Laut Google Maps würde mich ein Umweg knapp 15km kosten, weshalb ich mein Canyon unfreiwillig zum Crossrad umfunktionierte. Belohnt wurde das aber bereits nach knapp einem Kilometer typischer brandenburgischer Sandpiste dann von einer herrlich leeren Landstraße. Und dann die Erkenntnis: Hier war ich schon mal! Eine ausgedehnte Tour mit meinem Verein brachte mich schon einmal in diese abgelegene Ecke im Süden Potsdams.

Die meisten Straßen waren schön leer - so wie hier hinter Brück
Die meisten Straßen waren schön leer – so wie hier hinter Brück

Mit einer weiteren (un)geplanten Schotterpiste geriet ich dann aber tatsächlich auf komplett neue Wege. In Beelitz legte ich eine erste kleine Frühstückspause ein und freute mich über die gut ausgebauten Radwege in der Stadt. Diese streckten sich bis weit hinter die Spargelstadt an einer langen Bundesstraße durch dichten Wald entlang. Hier verstrichen die Kilometer gefühlt im Sekundentakt, da es sich unheimlich gut rollte und die Luft schön frisch war. Schon vor Brück, der nächstgrößeren Stadt, folgte ich auf der rechten Seite immer den Hinweisschildern des Truppenübungsplatzes. Eine Pinkelpause legte ich vorsichtshalber also auf der linken Straßenseite ein – man weiß ja nie. Mein nächstes Highlight hieß Groß Briesen, wo ich vor zwei Jahren auf Azubi-Fahrt war. Wie in meinen Erinnerungen war hier nichts loß – was übrigens auf den Großteil der Strecke zutrifft. Einige Kilometer weiter legte ich meine Mittagspause beim Stamm-Burger King in Wollin an der A2 ein.

Seit Nedlitz konnte ich die Turmspitzen des Doms sehen - jetzt war ich am Ziel
Seit Nedlitz konnte ich die Turmspitzen des Doms sehen – jetzt war ich am Ziel

Hinter Wollin folgte der wohl unschönste Teil der Tour – wobei der immer noch ertragbar war. Der Burger lag mir schwer im Magen und der Wind wehte jetzt gegen meine Fahrtrichtung. Auch die Straßen waren hier teilweise weniger schön und der Verkehr nahm zu. Der Tiefpunkt folgte zwischen Drewitz und Lübars, wo es knapp 10km nur geradeaus direkt in den Gegenwind ging. Belohnt wurde ich hinter Lübars dafür mit menschenleeren Kreisstraßen, auf denen der Wind wieder kaum merkbar von der Seite wehte. Später nahm der Verkehr jedoch immer etwas mehr zu, bis sich die Straße zu einer recht stark befahrenen Bundesstraße entwickelte. Bemerkenswert: In Königsborn stand ich trotz Streiks eine Viertelstunde am Bahnübergang vor geschlossenen Schranken. Insgesamt vier Güterzüge hielten den Verkehr auf (okay, davon war nur einer von der DB). Von dort ging dann alles ganz schnell: Plötzlich zog das Ortseingangsschild von Magdeburg an mir vorbei und ich bog auf eine Art „Fahrradautobahn“ ein. Dieser folgte ich bis in die Stadt und machte dort noch eine Touri-Runde. Zwar fiel der erste Zug Richtung Berlin aus, aber bereits der zweite RE1 fuhr nach Plan und brachte mich wieder nach Hause. So konnte die für alle Fälle eingepackte Zahnbürste zum Glück unbenutzt bleiben. Spiel auf Risiko: Geglückt!

Die Tour auf Strava

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