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USA 2016

Auf und ab bei Erdbeerduft

Belohnung nach einem der vielen Anstiege: Ein fantastischer Ausblick über die Erdbeerfelder bis zu den Dünen
Belohnung nach einem der vielen Anstiege: Ein fantastischer Ausblick über die Erdbeerfelder bis zu den Dünen

Auf einer recht kurzen und schnellen Etappe ging es heute viel bergauf und bergab – dank Erdbeergeruch in der Luft aber mit bester Unterstützung.

Funken statt Waschbär

Im Gegensatz zur letzten Nacht blieb es auf dem Campingplatz die Nacht über sehr ruhig, so dass ich mein Schlaf-Defizit wieder gut aufholen konnte. Geweckt wurde ich am Morgen lediglich von einem merkwürdigen Geräusch, von dem ich erst dachte, dass es sich um einen an meinem Zelt kratzenden Waschbären handelt. Doch ein Blick nach draußen zeigte: Die Luftfeuchtigkeit muss derart hoch gewesen sein, dass auf dem Strommasten auf dem Campingplatz Funken sprühten. Also konnte ich mich in Ruhe noch einmal umdrehen, bevor ich mich dann irgendwann zum Frühstücken und Zusammenpacken aufraffte.

Vorräte aufstocken

Mein erstes Tagesziel hieß Walmart – der lag nur am anderen Ende der Stadt. Auf dem Weg dorthin überquerte ich noch einmal den „Fluss“, der dem River Park Campground seinen Namen verlieh, und musste schmunzeln. Gestern hatte ich tatsächlich noch gedacht, dass ich mich ja hier im kühlen Nass vielleicht etwas waschen kann. Doch stattdessen sah ich jetzt Jogger durch das trockene Flussbett laufen. Abgesehen von der aktuellen Dürre hier in Kalifornien führen die meisten Flüsse hier aber tatsächlich nur im Winter Wasser. Beim Walmart selbst deckte ich mich dann schon einmal mit allen Sachen ein, die ich für zwei Tage abseits der Zivilisation benötigen würde – neben Dosen-Gerichten auch mit genügend Trinken. An meinem Tagesziel für morgen, dem Kirk Campground, soll es nämlich kein frisches Wasser geben.

Der Tag startete direkt mit einigen knackigen Anstiegen
Der Tag startete direkt mit einigen knackigen Anstiegen

Steiler Start

Mit einigen zusätzlichen Kilogramm an Proviant mehr ging es jetzt aber wirklich los. Die ersten Kilometer zeigte die Etappe direkt, was heute den ganzen Tag auf dem Programm stehen würde: Es ging erst einmal wieder steil bergauf. Doch da es noch nicht so heiß war und mich bisher auch kein Wind ausbremste, ließen sich die Berge heute trotz des Einkaufs im Gepäck gut bewältigen. Teilweise schob mich der Wind sogar etwas an und ich erreichte die US AirForce-Basis, die am Highway 1 liegt, ziemlich schnell. Nach einigen weiteren Auf- und Abstiegen ging es dann glücklicherweise bis Guadalupe fast nur noch bergab – immer den Straßenschildern in Richtung Santa Maria folgend. Das erklärt auch meinen Ohrwurm für die erste Tageshälfte (und Erinnerungen an mein Karaoke-Duett mit Conny).

Erdbeer-Flash

In der kleinen Stadt Guadalupe legte ich dann eine kleine Mittagspause bei Subway ein, von wo aus ich meinem Host für heute schon einmal ein Update sendete. Er schrieb mir, dass er um vier Uhr zu Hause sein würde – jetzt war es gerade einmal kurz nach zwölf und ich hatte bereits mehr als die Hälfte geschafft. Mir blieb also mehr als genug Zeit für die zweite Hälfte der Etappe. Und so rollte ich im angenehmen Tempo bei Seitenwind durch die Erdbeerfelder Kaliforniens – die einen wunderbaren Geruch verursachten. Besonders intensiv duftete es, wenn mir ein voll mit Erdbeeren beladender LKW entgegenkam – wohl das einzige Mal, dass ich den folgenden Windstoß als angenehm empfand. Noch ganz in Gedanken bei Erdbeeren bemerkte ich zwei mir entgegenkommende Radfahrer, die anhielten, um die Feldarbeiter zu fotografieren. Die beiden aus China kommenden Männer fuhren nach Los Angeles, doch mehr konnte ich ihnen aufgrund ihrer Englischkenntnisse nicht entlocken. Immerhin gaben sie mir mit ihren Händen zu verstehen, dass es sehr hügelig wird. Aber das wusste ich ja bereits.

Hinter Guadalupe prägten die vielen Erdbeerfelder das Landschaftsbild - und sorgten für einen sehr süßen Geruch in der Luft
Hinter Guadalupe prägten die vielen Erdbeerfelder das Landschaftsbild – und sorgten für einen sehr süßen Geruch in der Luft

Gute Ausblicke

Eigentlich folgte jetzt sogar der eher flachere Teil des Tages. Nach einem noch einmal steilen Anstieg ging es dann ebenso steil wieder bergab zurück in Richtung Küste – mit einem fantastischen Ausblick über die Erbeerfelder bis hin zu den Dünen und dem Meer. In Arroyo Grande (nicht zu verwechseln mit Ariana Grande) kamen mir dann noch zwei weitere gut bepackte Radfahrer entgegen. Kaum zurück am Meer, hatte ich plötzlich wieder Rückenwind – sehr eigenartig. So rollte ich ziemlich schnell vorbei an wunderschönen Klippen mit sehr teuer aussehenden Siedlungen und Hotels. Besonders Pismo Beach hatte eine bemerkenswert schöne Ortsdurchfahrt, an deren Kreuzungen man beim Blick nach links immer einen wunderbaren Ausblick auf den Pazifik hatte. Kein Wunder, dass sich hier ziemlich viele Surfer herumtrieben.

Atemberaubender Ausblick auf die Steilküste in xxx
Atemberaubender Ausblick auf die Steilküste in Pismo Beach

Viel los in San Luis Obispo

Als die Straße wieder in Richtung Landesinnere abbog, war es bis zu meinem Ziel nicht mehr weit. Zum Glück verlief der Radweg hier auf einer leeren Parallelstraße, so dass ich nicht auf dem sehr vollen Highway 101 fahren musste. Der einzig nennenswerte Verkehr waren tatsächlich andere Radfahrer – zwei davon sogar Rennradfahrer. Da es noch sehr früh war, als ich San Luis Obispo erreichte, drehte ich noch einmal einen Umweg durch die Innenstadt. Es wurde mir nicht zu viel versprochen: Trotz der verglichen mit anderen Städten geringeren Einwohnerzahl herrschte hier Hochbetrieb. Neben vielen Restaurants, Cafés und Läden haben hier sogar „Victoria’s Secret“ oder „Abercrombie and Fitch“ Filialen – was nicht zuletzt auch an dem durch das zentral gelegene College und den vielen jungen Leuten in der Stadt liegt. Das erklärte mir zumindest mein Host Alan, der mir nach meiner Ankunft auf dem Weg zum Abendessen noch eine kleine Stadtrundfahrt im Auto gab. Anschließend schlugen wir beide uns den Magen bei einem leckeren Mexikaner voll.

 

Die letzten Hügel bis San Luis Obispo waren auf der leeren Parallelstraße dann ein Kinderspiel
Die letzten Hügel bis San Luis Obispo waren auf der leeren Parallelstraße dann ein Kinderspiel

San Francisco ist zu teuer

Morgen geht es wieder zurück an die Küste, von der ich mich dann den restlichen Tag auch nicht entfernen werde. Tagesziel ist Plaskett – hier gibt es zwei Campingplätze. Der eine hat, wie beschrieben, zwar kein Wasser, aber dafür den schöneren Ausblick. Im Notfall gäbe es zehn Kilometer vorher aber auch noch einen Platz mit Wasser. Mal sehen, für was ich mich morgen spontan entscheide. Heute gab es übrigens noch einmal eine Planänderung: Am Freitag werde ich nicht nach Santa Cruz fahren, sondern die Küste verlassen und mich über einen steilen und hohen Berg direkt nach San José aufmachen. In San Francisco gab es für nächste Woche tatsächlich keine bezahlbaren Airbnb- oder Hostelzimmer mehr. Ich versuche jetzt zwar noch, einen Host bei Warmshowers zu finden – ansonsten werde ich aber wohl den Plan verfolgen, an einem Tag nach San Francisco reinzufahren und noch am selben Abend mit dem Zug wieder nach San José zurückzukehren. Aber erst einmal abwarten – drei Etappen stehen jetzt erst einmal noch an, ehe ich das Silicon Valley erreiche.

Die Etappe auf Strava

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