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Flowbiker Ostwestfalen-Lippe

Kurzurlaub in heimischen Gefilden

Wer denkt, dass man für Urlaubsgefühle weit weg fahren muss, der irrt – das zeigte mir Philipp am Wochenende mit einer wunderbar geplanten Tour durch das Lipper- und Weserland.

Den Spätsommer voll ausgenutzt

Das spätsommerliche Wetter trug da natürlich auch seinen Anteil bei, doch ich war sehr überrascht, als wir hinter Blomberg auf für mich unbekannte Straßen abbogen und uns plötzlich in einer Umgebung wiederfanden, die mich eher an das Voralpenland erinnerte. Kleine Dörfer, steile Anstiege, herrliche Ausblicke und die Frage: Warum war ich hier noch nie? Alle paar Kilometer bekam Philipp mein „Herrlich!“ zu hören. Und das bezog sich nicht nur auf die schöne Umgebung, sondern auch auf das Gefühl, endlich wieder zu zweit unterwegs zu sein.

Zu zweit flowt es sich immer am schönsten
Zu zweit flowt es sich immer am schönsten

Nach dem Anstieg folgt die Belohnung

Hinter Lügde, das uns übrigens mit einem sehr angenehm befahrbaren Pflaster überrascht hat, bahnte sich dann plötzlich ein endloser Anstieg an. Während wir beide schon tief schnauften, ließ das Höhenprofil auf Philipps Garmin nichts Gutes erahnen: „Wir haben gerade mal ein Drittel!“ In der prallen Mittagssonne kämpften wir uns also Meter für Meter gen Himmel und über die Landesgrenze hinweg. Doch je höher wir kamen, desto besser wurde der Ausblick. Gefühlt konnte man das ganze Lipperland sehen. Vor uns Niedersachsen, neben uns der Köterberg und hinter uns die endlosen Hügel unserer Heimat. Am Gipfel in Großenberg glühten dann nicht nur unsere Beine, sondern auch unsere iPhone-Kameras.

Auf die Windräder kommt es an

Durch kleinere Dörfer bahnten wir uns jetzt unseren Weg in Richtung Weser – und zwar dank Rückenwind und leicht abfälliger Straße mit ziemlich gutem Tempo. „Wie das wohl ist, wenn man hier mit Gegenwind fährt“, fragten Philipp und ich uns noch. Und grinsten nur: „Solange die Windräder in unsere Richtung gucken, ist alles gut.“ An unserem Zwischenziel in Polle gönnten wir uns eine kurze Pause an der Weserfähre, die heute allerdings nicht in Betrieb schien. So kommunizierten die ganzen Motor-Biker, die sich hier ebenfalls versammelten, alle nur durch lautes Rufen über die Weser.

Biker-Treff auf beiden Ufern der Weser - aber kein Fährverkehr
Biker-Treff auf beiden Ufern der Weser – aber kein Fährverkehr

Über Dreizehn Serpentinen musst du fahr’n

Kurz bevor Philipp und ich aufgrund des Grill-Geruchs an der Fähre schwach wurden, setzten wir unsere Tour fort. Entlang der Weser folgten wir jetzt der etwas mehr befahrenen B83 nach Brevörde – fast schon ungewohnt, da unsere Route bisher über kaum befahrene Straßen führte und wir bisher nur selten Autos gesehen hatten. Doch der Stress war nur von kurzer Dauer: Nach dem Abbiegen auf die wieder ruhigere Landstraße begrüßten uns insgesamt 13 Serpentinen-Schleifen, die es jetzt hochzuklettern galt. Während die Weser in unserem Rücken also immer kleiner wurde und unser Puls immer höher, verbesserte sich die Aussicht wieder mit jedem Höhenmeter. Oben angekommen gab es dann erst einmal eine Ernüchterung: Die Windräder guckten plötzlich in die andere Richtung – Gegenwind.

Gefangen in Lügde

An Motivation und Ablenkung mangelte es uns jedenfalls nicht. Das AKW Grohnde faszinierte und gruselte uns am Horizont und in den kleinen Dörfern auf der Strecke winkten uns hübsche Mädchen auf ihren Hollandrädern zu. Außerdem wuchs unsere Vorfreude auf die Abfahrt nach Lügde: Die ganzen Meter, die wir auf der Hinfahrt hochgestiegen sind, luden uns jetzt auf eine rasante Abfahrt ein. Euphorisiert vom Tempo gelang uns dann erst einmal nicht die Ausfahrt aus der Stadt an der Emmer. Im Kreisverkehr bogen wir immer wieder falsch ab. Warum muss der auch so viele Ausfahrten haben? Nach mehreren Versuchen fanden wir dann letztendlich die korrekte Himmelsrichtung und konnten unsere Tour über einen zwar schlecht geteerten, aber schön leeren Radweg in Richtung Schieder fortsetzen. Eine weitere neue Erkenntnis des Tages: Seit wann liegen Lügde und Schieder so nah beieinander?

Atomkraft, wie war das gleich?
Atomkraft, wie war das gleich?

Auch hier hakten wir einen weiteren Heimaturlaub-Punkt ab: Einmal das technische Wunderwerk der Staumauer am Schiedersee bewundern – auch das ist jetzt abgehakt. Ab Schieder wagten wir uns auch wieder auf die altbekannten Straßen unserer Hausrunden, so dass wir Motivation erst einmal in Form von Cola an der Tankstelle nachtanken mussten. Und die Energie brauchten wir auch: Die letzten Kilometer nach Hause zogen sich dann doch noch einmal mehr als gedacht, KOM-Jagden auf Strava-Segmenten und die ganzen Anstiege machten sich in unseren Beinen jetzt doch sehr bemerkbar. Doch jeder Anstrengung zu trotz waren wir beide am Ende der Tour überglücklich und irgendwie auch erholt: Fast wie im Urlaub.

Die Tour auf Strava

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