Lovely London

Das Leihrad am Themsenufer in Canary Wharf – von hier ging es raus aus der City nach Essex

Bei herrlichstem Frühlingswetter hieß es letztes Wochenende wieder: Hello London! Neben vielen (mittlerweile schon traditionellen) Aktivitäten in der britischen Metropole ging es auch erstmals wieder aufs Rennrad.

Long time no see

Knapp acht Monate war es bereits her, dass Max, Caro und ich unserer zweiten Heimat in England einen Besuch abgestattet hatten – es wurde also allerhöchste Zeit. Nach unserer Hospitation während der Ausbildung vor ziemlich genau drei Jahren haben wir alle drei uns in die Stadt verliebt und versuchen jetzt weiterhin, so oft wie möglich wiederzukommen. Damals waren wir für knapp viereinhalb Monate auf der britischen Insel, weshalb ich damals mein Canyon mitgenommen hatte.

Wo leiht man sich ein Rennrad?

Die Anzahl der Ausfahrten konnte ich zwar an einer Hand abzählen, dennoch wollte ich jetzt unbedingt mal wieder das Londoner Umland unsicher machen. Das neue Canyon deshalb extra für ein paar Tage mitzunehmen, fand ich zu umständlich, weshalb ich online nach Fahrrad-Verleihern recherchierte, die auch Rennräder verleihen. Zwar konnte ich auch ein paar Erfahrungsberichte finden, die dort genannten Verleiher schien es aber bereits nicht mehr zu geben. Am Ende blieb ich bei „On Your Bike“ an der London Bridge hängen, wo ich mir für 49 britische Pfund plus noch einmal 5 für Pedale für drei Tage ein Trek-Einsteigerrad mieten konnte. Ich hätte zwar auch die Wahl zwischen etwas besser ausgestatteten Rädern gehabt, aber einerseits wollte ich dafür nicht mehr Geld ausgeben (ich bin immerhin armer Student!) und andererseits reichte das Trek 1.1 allemal.

Ausblicke wie in Brandenburg, nur von der anderen Straßenseite und mit weitaus mehr Höhenmetern

Unterschrift gegen Rennrad

Am Freitagmorgen war es dann soweit. Bereits in voller Rennrad-Montur, allerdings noch mit Straßenschuhen, machte ich mich mit der Tube auf zum Verleiher. Das Abholen verlief ganz unkompliziert: Bezahlt hatte ich schon online, ich musste nur noch eine Unterschrift dalassen und hielt plötzlich ein schickes, weinrotes Trek in den Händen. Zwar störten die Reflektoren, die Schloss-Halterung und die Klingel etwas den flotten Look, doch besonders letzteres war am Ende auf den Radwegen in der Stadt ganz hilfreich.

Auf alten Wegen raus aus der City

Und dann ging es auch schon los: Meine erste Tour führte mich direkt raus auf altbekannten Wegen über Stratford und Ilford raus aus London – genau die Strecke, die ich vor drei Jahren auch immer gefahren bin. Entgegen meiner Erwartungen waren die Straßen für die Uhrzeit recht leer – ich hatte befürchtet, direkt in der Rush-Hour zu landen. So kam ich ziemlich schnell im Grünen an und genoss die Felder und Hügel. Ab Abdridge verließ ich dann doch meine alte Hausrunde und begab mich auf neue Wege, die ich von einem Bekannten auf Strava „geklaut“ habe.

Fast wie arrangiert fuhr mir hinter Epping ein typisches Londoner Black Cab durchs Foto

Angekommen im Urlaub

Das war eindeutig die beste Idee, die ich je hatte. Die Lokal-Expertise der Web-Bekanntschaft zahlte sich aus und ich fand mich auf noch leereren Seitenstraßen quer durch Felder und entlang schicker Bauernhöfe wieder. Spätestens jetzt konnte ich so richtig abschalten und ließ mich von Sonne und Landschaft mental verwöhnen – Urlaubsfeeling pur. Mittlerweile klappte auch das Fahren auf der falschen Straßenseite wieder ganz gut. Max und ich hatten uns erst zwei Tage vorher Santander-Bikes für eine kleine Einkaufs-Tour gemietet und konnten unsere Gehirne dabei schon mal wieder von rechts auf links umpolen.

Nicht nur die Straßen sind verkehrt herum

Überraschenderweise gewöhnt man sich doch recht schnell an die andere Seite und findet es nach einigen Kilometern schon ganz normal – abgesehen von unübersichtlichen Kreuzungen vielleicht, wo man dann doch manchmal in die Versuchung kommt, auf die falsche Spur einzubiegen. Ebenfalls tricky: In England ist es erlaubt, auch auf der anderen Straßenseite entgegen seiner Fahrtrichtung zu parken. So fährt man manchmal den Autofronten entgegen und fragt sich, ob man nicht doch auf der anderen Straßenseite fahren muss. Ebenfalls einer kurzen Eingewöhnung nötig: Die verkehrt herum angebrachten Bremsen und Schaltungen. Während bei uns links das Vorder- und rechts das Hinterrad gebremst wird, ist es bei den Briten genau andersherum.

Lovely: Der Frühling war in diesem kleinen Dorf in Essex bereits in vollem Gange

Mit den Lastwagen hört der Urlaub auf

So entspannt wie die Tour anfing, so stressig ging sie leider zu Ende. Ich verließ irgendwann wieder die neuen Wege und begab mich auf eine mir bekannte, aber sehr enge und überfüllte Bundesstraße, um wieder zurück in Richtung Stadt zu fahren. Der Stress ließ erst wieder ab, als ich in der Stadt auf den Radspuren ganz gelassen an allen anderen Autos und LKWs vorbeiziehen konnte. Für meine zweite Tour am Samstag nahm ich mir also vor, so etwas nicht noch einmal passieren zu lassen und überarbeitete meine Streckenplanung. Auch hier kamen wieder Segmente von Calvins Strava-Touren zum Einsatz.

Immer weiter aufs Land

Das machte sich ausgezahlt: Verglichen zur Ausfahrt am Tag zuvor führte die Route über noch ländlichere Wege und noch kleinere Dörfer, die ihren niedlichen und britischen Charme verströmten. Dieses Mal fuhr ich nicht so weit gefächert durch Essex, sondern etwas weiter raus – so weit, dass ich an der nördlichsten Spitze meiner Tour schon die Flugzeuge aus Stansted über mir starten sehen konnte. Schade, dass sowohl Zeit als auch Wasservorräte nicht für eine noch ausgedehntere Strecke ausreichten – das bleibt als To-Do fürs nächste Mal. Auf der Rückfahrt kam ich dann übrigens noch in die am Freitag vermisste Rush-Hour, als neben mir anscheinend auch halb Nordengland nach London reinfahren wollte. Doch hier machten sich die ganzen Radspuren und Cycling Superhighways ausgezahlt – links vorbei an allen entnervten Autos kam ich tiefenentspannt zurück in Limehouse an. Bis nächstes Mal, London!


Die Touren vom Freitag und vom Samstag auf Strava