Am Ziel

Nach knapp 6.430 Kilometern endlich am Ziel - der Golden Gate Bridge

Nach knapp 6.430 Kilometern endlich am Ziel – der Golden Gate Bridge

Die letzte Etappe meiner langen Reise quer durch die USA führte einmal quer durchs Silicon Valley, vorbei an allen großen Tech-Unternehmen, bis nach San Francisco – meinem Ziel.

Von New York nach San Francisco

Geschafft. Vor zweieinhalb Monaten stand ich noch auf der Brooklyn Bridge in New York City und konnte es kaum erwarten, loszufahren – jetzt stand ich, knapp 6.430 Kilometer später, plötzlich an der Golden Gate Bridge. Damit habe ich mein großes Ziel San Francisco erreicht und tatsächlich die komplette Tour gemeistert. Einen Überblick über die genauen Zahlen und Statistiken gibt es zum Abschluss noch einmal in ein paar Tagen, ebenso einen zusammenfassenden Rückblick. Ansonsten gibt es ja noch die Karte mit allen Etappen und verlinkten Artikeln sowie seit gestern auch einen tabellarischen Überblick über alle Etappen.

Einfach mal nichts tun

Genau, gestern: Da entstand die besagte Tabelle. Zu mehr habe ich es in den letzten zwei Tagen aber nicht geschafft – ich war nicht einmal vor der Tür. Zu verlockend waren Bett, Netflix und die Wii-Spiele mit dem Bruder meiner Freundin – und natürlich das ganze Essen. In den letzten beiden Tagen habe ich wahrscheinlich sämtliche Kalorien wieder angefuttert, die ich über die gesamte Tour verbrannt habe. Ein bisschen schlecht fühlte ich mich ja, einfach gar nichts zu tun, aber gleichzeitig tat die Entspannung auch mal gut. Dennoch freute ich mich am Ende wahnsinnig darauf, endlich wieder im Sattel zu sitzen und vor die Tür zu kommen. Und so schwang ich mich heute morgen gegen halb neun bei bereits sehr warmen Temperaturen in San José wieder aufs Rad. Mit einer großen Veränderung: An Gepäck hatte ich jetzt nur noch die beiden Ortlieb-Taschen am Gepäckträger, und diese auch nur halb gefüllt.

Blick über San José

Das machte sich direkt auf den ersten Metern bemerkbar. Es ließ sich weitaus leichter treten und gleichzeitig war es nicht mehr so wackelig auf dem Rad. Bei den ersten kurzen Bergab-Stücken konnte ich mich also auch mal wieder etwas mehr in die Kurve legen, auch das Bremsen ging jetzt schneller und einfacher. Doch nach den ersten Abstiegen ging es direkt wieder bergauf. Der Vater meiner Freundin hatte mir gestern Abend noch eine schöne Route erklärt, die wir dann gemeinsam auf gpsies zur Strecke gemacht haben. An sich hätte ich nämlich auch eine einfachere Strecke fahren können, doch die Erfahrungen eines Locals machen sich immer wieder ausgezahlt: Von dem kleinen Berg gab es einen schönen Ausblick über San José. Gleichzeitig konnte ich immer auf wenig befahrenen Straßen mit Radstreifen fahren.

Eins der vielen Gebäude auf dem Apple-Campus in Cuppertino

Eins der vielen Gebäude auf dem Apple-Campus in Cuppertino

Apple und Stanford

Ein weiterer Vorteil: Als Bewohner im Silicon Valley weiß man natürlich, wo die großen IT-Unternehmen ihren Sitz haben. Also war mein erster Punkt auf der Strecke nach dem Hügel das Hauptquartier von Apple. Das sah von außen gar nicht mal so extravagant aus, wie man es sich vorgestellt hätte – eher wie ein durchschnittlicher Bürokomplex. Lediglich die Apple-Symbole auf den Schildern zeigten, dass hinter diesen Fenstern wahrscheinlich an der Technik von Morgen gefeilt wird. Ohne große Verzögerung ging es deshalb weiter. Nächster Punkt: Die Stanford University. Über den Campus und einige Schleichwege bahnte ich mir den Weg zum Main Quad und der Memorial Church. Ich sah aber mehr Touristen als potentielle Studenten. Dennoch war es ein sehr cooles Gefühl, über das Gelände der bekannten Universität zu laufen und zu fahren und ein bisschen Erfindergeist aufzusaugen.

Auf dem Stanford-Campus konnte man den Erfindergeist quasi schmecken

Auf dem Stanford-Campus konnte man den Erfindergeist quasi riechen

Blaue Facebook-Räder

Mein nächster Stopp lag nicht weit entfernt an einem Einkaufszentrum in Stanford. Doch da ich immer noch so satt war, gab es nicht wie geplant eine Mittagspause. Und beim Blick auf die Preise verzichtete ich auch auf einen Mittagssnack. Weiter ging es durch die belebte Innenstadt von Palo Alto in Richtung Menlo Park – dem Firmensitz von Facebook. Auch hier gab es nichts großes und auffälliges, sondern ebenfalls normale Bürogebäude. Im Gegensatz zu Apple waren die hier aber definitiv moderner und zeigten mit einigen „Daumen Hoch“, wer hier residiert. Es gab sogar blaue Facebook-Fahrräder für Mitarbeiter und gut ausgebaute Fahrradwege um die Hauptzentrale des sozialen Netzwerks.

Unauffällig, aber dank Daumen erkennbar: Die Facebook-Zentrale

Unauffällig, aber dank Daumen erkennbar: Die Facebook-Zentrale

Knarzen gegen Langeweile

Die Hälfte der Etappe war geschafft und meine Liste mit Sehenswürdigkeiten auf der Etappe bereits abgehakt. Das nächste Ziel war also tatsächlich auch mein letztes: San Francisco. Zuerst ging es noch einmal durch das schicke Zentrum von Redwood City, ehe es eigentlich immer geradeaus parallel zur Route 82 gen Nordwesten ging. Spannend war der Großteil der Strecke aber eher nicht, ich folgte meist der Eisenbahnstrecke des „CalTrain“ und sah ansonsten fast nur Autowerkstätten. Doch mein Rad sorgte natürlich auch auf der letzten Etappe dafür, dass es auf solchen Abschnitten nicht langweilig wird. Zuerst wurde ein Knarz-Geräusch, das ich erst von der Sattelstütze vermutete, immer lauter. Doch auch beim Treten im Stehen blieb das Knarzen. Ein Blick nach unten offenbarte die Ursache: Die seitliche, obere Schraube vom Gepäckträger hatte sich mittlerweile schon gefährlich weit gelöst. Also schnell rechts ran und alles wieder festgezogen – das hätte sonst gefährlich enden können.

Der fünfte und hoffentlich letzte Speichenbruch

Jetzt konnte ich wieder in Ruhe ohne störende Geräusche weiterfahren – dachte ich. Nur wenige Kilometer später machte es plötzlich „Pling“ – Speichenbruch. Auf den letzten 50 Kilometern muss mir also am Hinterrad noch eine fünfte Speiche brechen – und das trotz des geringen Balasts. Jetzt war mir das auch egal. Reparieren lasse ich das hier eh nicht mehr. Also schnell die Speiche mit Klebeband befestigt und wieder weiter. Doch statt Ruhe gab es jetzt neue Geräusche von der Kassette oder aus dem Tretlager – irgendwas ist da im Eimer. Und sorgte für ziemlich lautes Knacken beim Treten, so dass ich gegenüber der vielen anderen Rennradfahrer, die den ganzen Tag schon um mich herum unterwegs waren, ein schlechtes Gewissen bekam.

Plötzlich in San Francisco

Immerhin vergingen die letzten Kilometer plötzlich ganz schnell. Erst ging es vorbei am großen Flughafen, von dem im Sekundentakt die Flugzeuge starteten. Dann quälte ich mich kurz durch Gegenwind, ehe ich plötzlich einwandfreien Rückenwind hatte, der mich einmal um den Berg in San Bruno in Richtung San Francisco wehte. Hier gab es erst einmal einen wunderschönen Ausblick auf das Bay. Und dann begann auch schon die Stadt, die das Ziel meiner Reise war: Plötzlich gab es kurze, knackige Anstiege inmitten dicht besiedelter Gebiete. Auch eine Straßenbahn begleitete mich jetzt ständig. So folgte ich von nun an der Küste und radelte an den ganzen Piers vorbei in Richtung Golden Gate Bridge.

Blick über die Marina - im Hintergrund zwischen den Masten versteckt die Golden Gate Bridge und ein großes Containerschiff

Blick über die Marina – im Hintergrund zwischen den Masten versteckt die Golden Gate Bridge und ein großes Containerschiff

Im Hostel

Hier gab es natürlich erst einmal das lang ersehnte Foto vor der Brücke – quasi mein Abschlussfoto und das Gegenstück zu dem auf der Brooklyn Bridge. Danach fuhr ich einmal über die Brücke, genoss den schönen Ausblick auf San Francisco von der anderen Seite und radelte wieder zurück, jetzt in Richtung Hostel. Dazu musste ich noch einmal gut bergauf fahren. Belohnt wurde ich mit sehr coolen Straßen, an denen sehr viel los war. Schnell eingecheckt, geduscht und jetzt liege ich hier und lade mal alle Geräte auf. Gleich will ich mich noch mit einem leckeren Abendessen belohnen.

Die Etappe auf Strava