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USA 2016

Entlang des Pazifiks

Der Ausblick für die kommende Woche: Solange der Pazifik links von mir liegt, fahre ich in die richtige Richtung
Der Ausblick für die kommende Woche: Solange der Pazifik links von mir liegt, fahre ich in die richtige Richtung

Solange der Pazifik links von mir liegt, sollte ich ab jetzt in die richtige Richtung fahren. Daran konnte ich heute auf der ersten Etappe auf dem Highway 1 schon mal gewöhnen.

Nach einer Woche Pause zurück auf die Straße

Nach einer Woche „Kurzurlaub“ in Los Angeles war es definitiv wieder Zeit, das Rad und meine Beine zu bewegen – wer rastet, der rostet. Obwohl ich mich mittlerweile ganz gut in dem „Hostel“ eingelebt hatte und mich mit einigen Mitbewohnern sehr gut verstand, freute ich mich auch schon wieder auf die Straße. Immerhin steht jetzt die letzte große Etappe in Richtung San Francisco an – und heute würde es schon einmal ein erstes Stück in Richtung Ziel gehen. Wie bereits geschrieben will ich mir aber Zeit lassen und die „Pacific Coast Bike Route“, die zum Großteil dem bekannten Küsten-Highway 1 folgt, in kurzen Etappen befahren. Heute standen also erst einmal nur 110 Kilometer auf dem Plan, um sich wieder an den Sattel zu gewöhnen. Gegen zehn Uhr machte ich mich dann auf die Straßen von Los Angeles.

Strandurlaubs-Feeling auf dem Abschnitt in Santa Monica
Strandurlaubs-Feeling auf dem Abschnitt in Santa Monica

Die letzte zu befahrene Straße

Die ersten Kilometer zurück zur Küste kannte ich bereits aus der anderen Richtung: Über den Santa Monica Boulevard kam ich letzten Montag bereits zu meiner Unterkunft. Dieses Mal musste ich mich aber glücklicherweise nicht durch die Rush-Hour kämpfen, und so erreichte ich den Pazifik ziemlich zügig und ohne Probleme. Lediglich die ständig rot schaltenden Ampeln waren etwas nervig. Aber damit war es jetzt erst einmal vorbei – auf dem Radweg direkt am Strand hieß es jetzt nur, den Fußgängern und anderen Radfahrern auszuweichen. Doch je mehr ich mich von dem Touristen-Zentrum in Santa Monica entfernte, desto leerer wurde es. Als der Radweg endete und ich auf die Straße wechselte, kamen mir bereits nur noch Rennradfahrer entgegen.

Dichter Verkehr

So richtig bewusst war mir in dem Moment übrigens nicht, dass ich jetzt quasi das letzte Mal auf eine Straße abgebogen bin. Dieser Route werde ich jetzt bis San Francisco folgen. Doch für solche Gedanken war gar keine Zeit, ich war mehr damit beschäftigt, mich auf den sehr dichten Verkehr zu konzentrieren. Der Seitenstreifen verschwand teilweise in der steilen Felsenwand rechts von mir und zwang mich zu gefährlichen Manövern auf dem hier zweispurigem Highway 1. Ins Schwitzen kam ich aber nicht, denn immerhin kühlte mich im Gegensatz zur Innenstadt hier an der Küste die leichte Meeresbrise. Ziemlich schnell kam dann Malibu, wo ich als Radfahrer tatsächlich schneller als die meisten Autos war: Die steckten nämlich in einem kilometerlangen Stau, während ich auf dem Seitenstreifen schön vorbeifahren konnte.

In Malibu war nicht nur auf dem Pier recht viel los, sondern auch auf den Straßen
In Malibu war nicht nur auf dem Pier recht viel los, sondern auch auf den Straßen

Luft von vorne, aber nicht im Hinterrad

Hinter Malibu rollte der Verkehr auf der Straße wieder, für mich ging es allerdings nicht mehr so flüssig weiter. Der Wind hatte jetzt ordentlich aufgefrischt oder/und es gab kaum noch Schutz durch Häuser. So kam ich leider wieder nur im Schneckentempo voran. Doch da ich nicht so viele Kilometer vor mir hatte, war das einigermaßen erträglich. Um ein anderes Problem sorgte ich mich mehr: Der Hinterreifen verlor langsam immer mehr Luft. Wieder ein Ventilproblem? Jetzt bremste mich also nicht nur der Wind aus, sondern auch der immer weniger werdende Luftdruck im Rad. Als ich Kanten und Huckel dann schon auf der Felge spürte, pumpte ich das erste Mal nach. Das hielt sogar für knapp 15 Kilometer – dann das zweite Nachpumpen. Doch jetzt entwich die Luft schneller. Als der Reifen nur wenige hundert Meter nach dem dritten Aufpumpen wieder platt war, half nichts mehr: Ein neuer Schlauch musste drauf.

Alles wieder gut – vorerst

Auf dem Seitenstreifen des dicht befahrenen Highways wechselte ich jetzt also schnell den Schlauch. Traurig: Keiner der vorbeifahrenden Rennradfahrer hat mich auch nur eines Blickes gewürdigt. Mit dreckigen Händen, dafür aber gutem Gewissen ging es dann einige Minuten später weiter. Jetzt sollte es keine Probleme mehr geben, dachte ich mir. Die Straße bog sogar etwas mehr Richtung Land ab, weshalb selbst der Wind nicht mehr so schlimm war. Gut gelaunt rollte ich Richtung Oxnard, wo ich mir an einem Burger King kurz die Flaschen wieder auffüllte. Als ich nach draußen kam und mich aufs Rad setzte, war sämtliche positive Stimmung sofort wieder verflogen: Der Reifen war wieder platt. Per Google fand ich nur wenige Kilometer entfernt einen Radladen, der noch knapp eine Viertelstunde geöffnet hatte. Also schnell Not-Luft auf den Reifen und mich mit dieser Reserve zum Shop gekämpft.

Schlauchwechsel, der zweite: Zum Glück gab es in Oxnard einen noch geöffneten Fahrradladen
Schlauchwechsel, der zweite: Zum Glück gab es in Oxnard einen noch geöffneten Fahrradladen – mir gingen nämlich die Schläuche aus

Wieder eine Heftklammer im Mantel

Ich hatte Glück: Der Laden war noch offen und es gab sogar noch Rennrad-Schläuche. Ich habe mir direkt drei gekauft – meine Reserven waren mit dem jetzt wieder platten Schlauch nämlich erschöpft. Als ich noch am Radladen selbst dann das zweite mal den Schlauch gewechselt hatte, entdeckte ich auch den Grund für den langsamen Luftverlust: Irgendwo musste sich wieder ein dünner Metallstift, so dünn wie eine Heftklammer (und vielleicht ja sogar so eine), durch den Mantel gebohrt haben. Es steckte nur noch ein winziges und kaum erkennbares Stück im Gummi, aber immer noch so lang, das es immer wieder leicht in den Schlauch gepiekst haben muss. Also schnell auf den Dr.Oste-Modus umgeschaltet und den ungewünschten blinden Passagier in einer frimeligen OP entfernt. Zur Sicherheit gab es noch einmal eine Folgeuntersuchung für den Mantel.

Ausblick über den schönen Oxnard Harbout
Ausblick über den schönen Oxnard Harbout

Auf die letzten Kilometer

Mit einem frischen Schlauch und hoffentlich Heftklammer-freien Mantel ging es wieder weiter – mittlerweile mit ordentlich Verspätung. Jetzt war ich froh, nur eine kurze Etappe geplant zu haben – mehr als 110 Kilometer wären wohl alleine zeitlich nicht drin gewesen. Andererseits machte sich der Wind auch in den Beinen bemerkbar. Und so ging es jetzt flott auf die letzten Kilometer durch die sehr schöne Stadt Coxnard, wo es neben einem eindrucksvollen Yachthafen auch wunderschöne Siedlungen direkt an der Küste gibt. Das letzte Stück auf dem Küstenradweg musste ich dann noch einmal gut auf die Fußgänger und vor allem wild herumfahrende Leih-Rikschas aufpassen. Doch dann war ich ziemlich schnell an meinem Tagesziel: Einem Café.

Heute schlafe ich mal direkt an einem Café
Heute schlafe ich mal direkt an einem Café

Keine Dusche, aber W-Lan und Strom

Das „Sandbox Coffeehouse“ hatte ich über Warmshowers gefunden, der Inhaber bietet Radfahrern hier an, auf der Terrasse zu übernachten. Eine willkommene Alternative zu den teuren und – wie ich heute vom Radweg teilweise bereits sehen konnte – dreckigen Campingplätzen auf den State Beaches. Ich konnte zwar die Toilette benutzen, eine Dusche gibt es allerdings nicht – dafür aber W-Lan und Strom. Ich wartete mit dem Aufbauen des Zelts noch bis Ladenschluss und suchte mir dann einen schönen Platz. Leider liegt das Café direkt zwischen zwei dicht befahrenen Straßen und auch die Eisenbahnlinie scheint nur einen Block entfernt zu sein, aber ich will mich nicht beschweren. Morgen wird übrigens wohl wieder ein etwas aufregenderer Tag: Einerseits weiß ich noch nicht, ob ich heile bis Lompoc komme – das Feuer nördlich von Santa Barbara wütet immer noch – und andererseits konnte ich bisher keine Unterkunft organisieren. Allerdings gibt es in Lompoc einen Campingplatz, laut Google-Reviews leider ohne Duschen und fließendes Wasser. Mal sehen, ob ich morgen irgendwo in den Pazifik hüpfen kann.

Die Etappe auf Strava

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