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USA 2016

Schöne Ausblicke und starker Wind

Der Schein trügt: Hinter dieser schönen Kurve wartet erneut heftiger Gegenwind
Der Schein trügt: Hinter dieser schönen Kurve wartet erneut heftiger Gegenwind

Das bergige, aber atemberaubende Landschaftsbild von gestern zog sich heute noch über die erste Etappenhälfte, ehe es leider wieder flacher und deutlich windiger wurde.

Die beste Nacht im Zelt

Die letzte Nacht auf einem Campingplatz war tatsächlich auch eine der schönsten und bequemsten – und das, obwohl der Platz mit fünf Dollar gleichzeitig der günstigste war. Zwar gab es kein fließendes Wasser und nur Plumpsklos (aber selbst die waren recht schick), dafür aber eine atemberaubende Kulisse und eine sehr ruhige Lage direkt am Meer. Das einzige Geräusch der Nacht war das Meeresrauschen. Vielleicht lag es daran, dass ich das erste Mal in meinem Zelt fast durch- und dann noch ausgeschlafen habe – ich wachte heute morgen erst um acht Uhr auf. Und bemerkte direkt, dass mein Zelt überraschenderweise komplett nass war. Da hätte ich bei all der Feuchtigkeit auch eher dran denken können.

Warten auf das Zelt

Da ich das Zelt erst einmal nicht mehr so schnell wieder auspacken würde, wollte ich es vollständig trocknen lassen. Doch das dauerte seine Zeit, die Sonne versteckte sich erst noch hinter den Hügeln. Zwar packte ich schon einmal alles zusammen, machte mich fertig und versetzte das Zelt dann an einen sonnigeren Platz, doch ich kam erst gegen zehn Uhr los. Ganz schön spät, doch da ich heute keinen weiteren Campingplatz erreichen musste und mit Ala einen sicheren Warmshowers-Host hatte, sah ich dem späten Start locker entgegen. Nur die Sorge um zu starken Gegenwind schwebte immer im Hinterkopf.

Es ging da weiter, wo ich gestern aufgehört hatte: Mit schönen Aussichten und steilen Anstiegen
Es ging da weiter, wo ich gestern aufgehört hatte: Mit schönen Aussichten und steilen Anstiegen

Weiter über herrliche Hügel

Doch diese Sorge konnte ich die gesamte erste Etappenhälfte erst einmal ruhen lassen. Es ging weiter über die teilweise sehr steilen Anstiege und kurvigen Straßen entlang der Küste – weiterhin mit atemberaubenden Aussichten über den Pazifik oder sandige Buchten. Am Julia Pfeiffer Burns State Park konnte ich dann sogar einen der wenigen Wasserfälle sehen, die direkt in den Pazifik fallen. Hier war gleichzeitig aber auch großer Touristen-Andrang, so dass die komplette Straße zugeparkt war. Abgesehen von Autos kamen mir weiterhin viele Radtouristen und andere Radfahrer entgegen.

Eine Attraktion für sich: Der in den Pazifik mündende Wasserfall
Eine Attraktion für sich: Der in den Pazifik mündende Wasserfall

Grässlicher Gegenwind

Die fast mühelos erklimmbaren Anstiege und schönen Ausblicke nahmen dann leider viel zu schnell ein Ende und es ging auf der zweiten Etappenhälfte recht flach und jetzt auch wieder direkt an der Küste weiter – was den großen Nachteil mit sich brachte, dass der Wind uneingeschränkt auf mich einwirken konnte. Und das tat er auch – noch einmal stärker als auf dem bereits windigen Abschnitt gestern. Zwar fühlte es sich insgesamt nicht so schlimm wie zum Beispiel auf der Etappe nach Colorado Springs an, doch an einigen Punkten war ich kurz davor, gleich den Daumen zum Trampen herauszuhalten. Doch so schnell gab ich dann doch wieder nicht auf und freute mich auf diesem Abschnitt über jeden kleineren Anstieg, der mir etwas Windschatten und Ablenkung brachte.

Mein erster „Unfall“

Hinter einem dieser Anstiege genoss ich dann für einen kurzen Moment mal wieder etwas schnelleres Tempo beim folgenden Abstieg – auch wenn der Wind weiterhin gut pustete. Kurzzeitig war ich aber dank eines kleinen Hügels zur Seite etwas windgeschützt. Als ich gerade ein gutes Tempo drauf hatte, legte der Wind in einem enormen Tempo wieder los und brachte mich so aus der Balance, dass ich von der Straße abkam und in den paar Pflanzen zwischen den Steinen eine Bruchlandung hinlegte – mein erster Unfall auf der Tour. Als der Schreck verflogen war, zeigte ein kurzer Check: Das Rad und ich sind glücklicherweise zum Großteil heile geblieben. Trotz des recht lauten Knalls war das Vorderrad noch ganz und lediglich platt. Und am Bein war neben ein paar blauen Flecken und einer dicken Beule auch nichts zu sehen.

Nach all den kurvigen Abschnitten war dieses flache, gerade Stück mit Wind sehr unwillkommen
Nach all den kurvigen Abschnitten war dieses flache, gerade Stück mit Wind sehr unwillkommen

Schlauchwechsel im Sandstrahl

Der problematischere Part war jetzt, in diesem wirklich starken Wind das Vorderrad zu flicken. Nachdem ich alles wieder aufgesammelt hatte, schob ich das Rad ein paar Meter weiter zu einer kleinen Ausbuchtung aus Sand, an der ich wenigstens etwas geschützt vom dichten Verkehr war – leider aber nicht vom Wind. So versuchte ich mit Mühe, alle Werkzeuge und Tascheninhalte bei mir zu behalten, während ich sandgestrahlt wurde und der Wind sämtliche losen Teile in die Ferne beförderte. Sogar der kaputte Schlauch wehte später vom Lenker im Wind, statt auf den Boden zu fallen. Mir graute es vor den weiteren Kilometern. Doch glücklicherweise wurde es ab jetzt besser. Die Strecke war wieder etwas windgeschützter und bot auch wieder etwas schönere Ausblicke, die etwas ablenkten.

Endlich wieder Netz

Als ich Carmel Highlands erreichte, das ebenfalls wieder nur aus Hotels und Touristen-Läden bestand, waren die Qualen der vorherigen Kilometer bereits fast wieder vergessen. Hier hatte ich nach mittlerweile mehr als 80 Kilometern auch endlich wieder Netz und benachrichtigte erst einmal die Heimat, dass ich noch lebe. Jetzt bog der Highway 1 auch mehr Richtung Osten ab und ich war erst einmal raus aus dem Schneider. Im guten Tempo ging es jetzt in Richtung Carmel-by-the-Sea, wo die Straße leider wieder zum dicht befahrenen und autobahnähnlichen Highway entwickelte. Kurz hinter der Stadt zweigte jedoch ein Radweg ab, der mich von jetzt an neben dem Highway und später wieder direkt am Strand durch Monterey in Richtung Marina beförderte.

Über einen Radweg zwischen Strand, ehemaliger Bahnstrecke und Highway ging es auf die letzten Kilometer nach Marina
Über einen Radweg zwischen Strand, ehemaliger Bahnstrecke und Highway ging es auf die letzten Kilometer nach Marina

Das letzte Mal Warmshowers

Bevor ich die letzten Kilometer nach Marina bestritt, gönnte ich mir bei In-N-Out aber noch kurz einen kleinen Snack – Belohnung muss wie immer sein. Der letzte Abschnitt über den Bike-Trail war noch einmal sehr schön und verflog so schnell, dass ich zu früh bei meinem Host Ala ankam. Während ich auf sie wartete, lud ich noch fix den gestrigen Artikel hoch. Anschließend kochte sie dann leckeres Hähnchen und wir saßen noch lange zusammen und quatschten über Radtouren, unsere Jobs und das Leben. Morgen will ich erneut keinen Stress machen und ruhig spät starten, der Gegenwind sollte mir jetzt eigentlich egal sein können. Dafür geht es auf dem Weg nach San José steil hinauf – es wird also viel geklettert. Und für San Francisco habe ich jetzt tatsächlich doch noch ein recht günstiges Hostel in der Innenstadt gefunden – der letzten und finalen Etappe steht nächste Woche also auch nichts mehr im Weg. San Francisco, ich komme!

Die Etappe auf Strava

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