Burning Roads 2017

Auf einer so langen Distanz ist eine gute Gruppe immer Gold wert – das lernten auch wir in unserem Spitzen-Team sehr zu schätzen. Foto: Jörg/Burning Roads

300 Kilometer in der Nacht? Da geht noch mehr: Letztes Wochenende brachten Philipp und ich die Straßen auf 330 Kilometern und ordentlich Höhenmetern zum Glühen.

Gegen die Strecke, die Philipp und ich letztes Wochenende gefahren sind, sah der 300 Kilometer lange Canyon Nightride vor drei Wochen doch recht mickrig aus. Die zusätzlichen 30 Kilometer mögen erst einmal nicht so klingen, als würden sie bei einer Langdistanz noch groß ins Gewicht fallen – die fast 3.000 zusätzlichen Höhenmeter allerdings schon. Vor diesen hatte ich persönlich auch am meisten Bedenken und Angst und fürchtete sogar schon, dass wir uns unterwegs abholen lassen müssen. Doch zum Glück kam alles ganz anders.

Schlafen? Come on…

Burning Roads – das war so ziemlich das Saisonhighlight, das seit Jahresbeginn ganz groß im Kalender stand und auf das seitdem sämtliches Training ausgerichtet war. Nach dem ersten Event an der Mosel, das als Nachtradfahrt vor allem Schlaf kostete, waren wir umso mehr gespannt auf die noch längere Tour durch den Teutoburger Wald. Großes Plus – dachte ich zumindest: Das Event findet tagsüber statt, da kann man ausgeschlafen drangehen. Doch ein Start um 5 Uhr morgens im knapp 150 Kilometer entfernten Ochtrup ließ die Schlafpläne für die vorige Nacht dann doch etwas schrumpfen. Vielleicht doch auf die später startende 220er-Distanz wechseln? Das kam dann nicht mehr in Frage – wir ziehen das durch. Etwas später als verabredet, aber mit 2 Uhr immer noch sehr früh, machten Philipp und ich uns auf den Weg Richtung Osnabrücker Land – die 330 Kilometer ganz genau vor Augen.

Zu sechst in der ersten Startgruppe

Als wir beide nach kurzer Parkplatz-Einweisung und den letzten Vorbereitungen zum Startpunkt rollten, wurde es am Himmel gerade etwas heller. Die ersten Mitstreiter saßen bereits in der Turnhalle der Schule, die heute als Start und Ziel diente, und nahmen die letzten Energiereserven vom Frühstücksbuffet zu sich. Ziemlich fix ging es dann auch los. Die erste Überraschung: Wir hatten uns für die 22 km/h-Gruppe angemeldet, also den langsamsten Schnitt, starteten als erste Gruppe und waren dann letztendlich sogar nur zu sechst. Jetzt ging es also los: Die ersten Kilometer rollten sich ziemlich schnell dahin, die Sonnenstrahlen bahnten sich ihren Weg über die Wälder am Horizont und ließen lange Schatten auf die Felder strahlen – was für ein schönes Panorama.

Leere Nebenstraßen und atemberaubende Ausblicke: Unser „is geil!“ fiel während des gesamten Events sehr häufig

Der erste Anstieg

Während wir erst nur Mücken und Fliegen begegneten (und davon nicht zu wenig), holte uns dann doch recht schnell die zweite Startgruppe von hinten ein. Plötzlich wechselte die gemütliche Atmosphäre in eine sportliche Rennhektik, was jedoch nicht lange anhielt: Kurz darauf wartete bereits der erste Anstieg auf uns, der das Feld dann zerriss. Wir Flowbiker legten eh noch eine kurze Pinkelpause ein und ließen alle anderen vorbeiziehen, um anschließend ganz entspannt zu zweit weiterzuziehen. Unterwegs überholte man den ein oder anderen, ehe man bereits nach wenigen Kilometern wieder die nächste kleinere Gruppe einholte, mit der wir dann zum ersten Versorgungspunkt fuhren. Bereits in diesen ersten zwei Stunden fiel uns deutlich auf, wie hervorragend die Strecke ausgearbeitet wurde, die uns über wenig befahrene und gut geteerte Straßen die schönsten Ausblicke bot.

Die richtige Gruppe gefunden

Nach kurzer Stärkung ging es für uns beide erneut alleine weiter, dieses Mal sogar für eine etwas längere Distanz. Erst im Wiehengebirge bei Bramsche tauchte vor uns wieder eine Vierer-Gruppe auf, die gar nicht so einfach aufzuholen war. Schließlich kletterten wir die nächsten Anstiege dann gemeinsam hoch und kamen so langsam ins Gespräch – und so lernten wir unter anderem Birgit, die jede Woche die Langdistanz auf einer RTF fährt, Johannes mit seinem lila Rad, Achim mit der GoPro am Rad und die anderen beiden aus der Truppe kennen. Und das funktionierte wunderbar: Zuerst fuhren Philipp und ich vorweg, dann wechselten wir immer gut durch. Schneller als gedacht erreichten wir bereits den zweiten Versorgungspunkt, der ein eigenes kleines Highlight war – lokalisiert in einer Palettenfabrik trugen unter anderem Stehtische aus Papierrollen zum besonderen Flair bei.

Pause vor herausstechender Kulisse: In Barkhausen wurde in einer Palettenfabrik Energie nachgefüllt

Mit Streuselkuchen rollt’s sich gleich besser

Nicht lange zurück auf der Straße wartete hinter Börninghausen bereits unser östlichster Punkt und damit bereits fast die Hälfte der Strecke auf uns. Verwunderung: So weit sind wir schon gekommen? Bisher lief alles so glatt und gut, dass man nicht den Eindruck hatte, bereits 160 Kilometer im Sattel zu haben. Ein großer Anstieg Richtung Borgholzhausen trennte uns jetzt noch vom Mittagessen, auf das wir uns jetzt alle trotz der gut ausgestatteten Pausen schon sehr freuten. Das müssen wir hier auch noch einmal erwähnen: An den Zwischenhalten gab es nicht einfach nur die klassische Ausstattung aus Kuchen und Brot, sondern den Streuselkuchen (der aus gutem Grund bereits im Voraus hoch gelobt wurde) und sogar namhafte und leckere Energieriegel. Lediglich von der veganen Variante ließen wir dann schnell wieder die Finger.

Zur Mittagspause sahen wir irgendwie fertiger aus als ganz am Ende

Hut ab vor den Organisatoren

Noch fast satt von den ganzen Leckereien erreichten wir ziemlich schnell Bad Rothenfelde, wo uns ein großes Nudelbuffet erwartete. Die Mittagsstation fungierte gleichzeitig als Treff- und Wechselpunkt, hier kamen sowohl die „Kurzdistanz“ von 220 Kilometern als auch unsere Runde zusammen und wenn man schon schwere Beine hatte, konnte man hier jetzt noch auf die flachere Strecke zurück wechseln. Beim Genießen der Pasta lernten Philipp und ich noch Thorsten, den Organisator des Events, kennen und konnten so erfahren, wie es möglich ist, mit einem vergleichsweise niedrigen Startgeld von nur 25 Euro ein solch gut durchorganisiertes Programm auf die Beine zu stellen. Davor ziehen wir noch einmal unseren Hut, das hat uns wahnsinnig beeindruckt.

Zum Funkturm ging es steil hoch

Wenn das letzte flache Stück zur Härteprobe wird

Auf der zweiten Hälfte folgten noch einmal knallharte Anstiege: Mit den ganzen Nudeln im Bauch nun etwas schwerer erwarteten uns Bad Iburg und dann noch einmal kurz vor Tecklenburg bis zu steile Etappen, dass die Prozente fast in den oberen zweistelligen Bereich kletterten – da konnte man quasi fast am Anstieg stehen. Erleichterung: Hinter Tecklenburg hatten wir es dann mit den Höhenmetern für heute auch geschafft, jetzt ging es noch einmal flache 40 Kilometer zurück nach Ochtrup. Doch die stellten sich für mich persönlich als härtester Teil von Burning Roads heraus: Jetzt spürte man jeden Hauch von Gegenwind, die Körner waren langsam aufgebraucht und der Hintern meldete sich. Das alles konnte man beim Bergauffahren immer gut ausblenden. Wie gerufen tauchte die letzte Verpflegungsstation auf, als ich gerade den Tiefpunkt spürte. Mit neuer Energie rollte es sich jetzt noch einmal besser nach Hause – wenn auch manchmal im Stehen.

Mit den letzten, jetzt wieder flachen Kilometern kam auch wieder Gegenwind ins Spiel – doch in der Gruppe kein Problem. Vor allem mit Philipp an der Spitze!

Burning Butts

Dank gutem Windschattenfahren in der Gruppe kriegten wir alle von uns gut ins Ziel, was am Ende vor allem am unermüdlichen Einsatz von Philipp und Johannes an der Spitze lag. Und schneller als gedacht passierten wir dann wieder das Ortsschild von Ochtrup und fanden uns auf dem Schulhof wieder, wo wir unter Applaus der bereits ins Ziel gefahrenen Finisher begrüßt wurden. Was für ein Gefühl! Das sollen schon 330 Kilometer gewesen sein? Nach einer Belohnung und der Dusche – übrigens mit Kiefern-Duschgel von der Palettenfabrik, das meine Schwester als Tischlerin besonders gut fand – konnten wir noch einmal den gesamten Tag Revue passieren lassen. Es hat alles gestimmt: Das Wetter war optimal, die Organisation fantastisch und das Untereinander unter uns Fahrern sehr herzlich. Die Straßen haben gebrannt, am Ende auch unser Hintern – Burning Butts eben, aber das war uns egal. Letztendlich sind wir physisch sogar besser weggekommen als beim Canyon Nightride. Und eins steht fest: Nächstes Jahr sind wir definitiv wieder dabei.

Die Tour auf Strava von Philipp und von Max