Immer wieder Kniebeschwerden

Wie es sich mit (selbstverschuldeten und verschleppten) Knieproblemen lebt und welche Lösungsansätze möglich sind, erfahrt ihr hier.

Zwangspause zur besten Zeit des Jahres #1

Fast drei Monate ist es her, dass ich die Zugvogel RTF  (Strava) nach 190km mit kniebedingtem Schmerz abbrechen musste, nachdem ich in einer Pause umgeknickt war. An Laufen und Stehen war dank des linken Knies nicht mehr zu denken. Ich bekam es nicht mal mehr gebeugt und auf dem Rad schmerzte es daher bei jeder Pedalumdrehung als würde jemand mit dem Messer hineinstechen.

Es folgte eine Röntgenuntersuchung in der Notaufnahme, die Entwarnung hinsichtlich knöchernem Verschleißes gab. Beim Orthopäden wurde festgestellt, dass ich links eine Entzündung im Schleimbeutel und am Iliotibial band mit mir rum trage. Eigentlich ein typisches Läuferknie … ob das wohl mit meinen 2-3 kurzen Trainingseinheiten für den Firmenlauf zusammenhängt? Zur Linderung der Entzündung, die auch am Bandansatz im Oberschenkel zu spüren war, bekam ich sechs Iontophorese-Behandlungen, worauf der Schmerz im Alltag deutlich zurück ging. Vorsichtshalber pausierte ich ganze drei Wochen komplett, um meine Teilnahme am Canyon Nightride nicht zu gefährden.

Keine Hinrichtung: Nur Voltaren und Gleichstrom

Zwangspause zur besten Zeit des Jahres #2

Eine kurze unauffällige Testfahrt (Strava) vor dem Canon Nightride 300 (Strava) lies mich positiv gestimmt nach Koblenz reisen. Doch auch hier machte sich das linke Knie bereits nach 100km bemerkbar, unser Bericht dokumentiert dies recht anschaulich. Die Schmerzen nahm ich damals in Kauf und versuchte sie unterwegs mit zwei Ibuprofen 400 zu lindern. Das hört sich so verantwortungslos an und ist es auch! Ebenso wirkungslos schien es bei mir auch zu sein.

Einen sehr wertvollen Hinweis bekam ich von einer Mitfahrerin, die mich fragte, ob ich linksseitig Knieschmerzen hätte: Sie bemerkte, dass meine Knie während der Pedalbewegung ständig in Rotation waren und nicht in einer Wirkachse verliefen. Grund genug für mich, in der nächsten Zwangspause vor Burning Roads meine Sitzposition gründlich zu prüfen.

Mal wieder Zwangspause!

Da saß ich also in meinem Keller, das Rad auf dem Rollentrainer eingespannt, und richtete meine Webcam mitsamt eines Kreuzlinienlasers filigran auf mein Rad aus.
Die erste Erkenntnis: Die Knie rotieren tatsächlich enorm.

Die Rotation in Hüfte und Knie ist deutlich zu erkennen!

Also tastete ich mich schrittweise an meine neue Idealposition ran. Dazu stellte ich den Sattel tiefer, etwas weiter nach vorne, sowie waagerecht ein. Ebenfalls schraubte ich feinsäuberlich mit dem Ergon TP1 Cleat-Tool Cleats mit 9° statt 4,5° Bewegungsfreiheit unter die Schuhe.
Die zweite Erkenntnis: Die Knie rotieren nicht mehr und der Druck auf dem Sattel verteilt sich gefühlt viel harmonischer

Zwangspause zur besten Zeit des Jahres #3

Doch die Enttäuschung bei Burning Roads (Strava) kam ebenfalls wieder nach rund 100-150km. Das Knie zwickte leicht, der Schmerz wurde langsam immer intensiver und ich warf wieder Ibuprofen ein. Letztlich wieder sehr unvernünftig, da deutlich höher dosiert als beim Nightride, aber der Wille ein Event zu finishen, eliminiert jedes schlechte Gewissen. Letztlich bin ich mir nicht mal sicher, ob die Ibuprofen den Schmerz gelindert haben.

Nach Burning Roads schmerzte mir nicht mehr nur das linke Knie, sondern auch das rechte Knie. Irgendwie logisch, da nun ein Knie das andere Knie kompensieren musste. Die Daten der Vector Pedale unterstützen meine These:
– Normale 200km: 49% Links / 51% Rechts
– RTF Zugvogel 190km: 47 % Links / 53 % Rechts
– Canyon Nightride 300km: 35 % Links / 75 % Rechts
– Burning Roads 330km: 45 % Links / 55% Rechts

Ich biss nach Burning Roads also in den sauren Apfel und hing das Rad knapp für fünf Wochen komplett an den Nagel. Die wahrscheinlich besten Wetterperioden des Jahres zogen an mir vorbei! Ich habe mich lange nicht mehr so nutzlos gefühlt. Es schmerzt schon sehr, auf Strava die vielen schönen Bilder und Touren zu sehen, während man seinem Körper die nötige Ruhe zugesteht.

Doch stumpfes Abwarten halte ich nicht aus, daher überlegte ich mir Maßnahmen, die neben der Entzündungsbekämpfung auch die Prävention berücksichtigen:

  • Ich stellte mir also zuerst ein 30-minütiges „Workout“ zusammen, um meinen gesamten Körper, insbesondere Hüfte, Rücken und Oberschenkel, zu dehnen und zu kräftigen. Denn viele Knieprobleme entstehen durch stark verkürzte Muskulatur in den genannten Regionen. Gerade zu Beginn kam ich mir sehr ungelenkig vor und auch „der Muskelkater des Lebens“ suchte mich Heim. Schnelle positive Effekte im Alltag, wie gerades, entspanntes Sitzen auf dem Bürostuhl motivieren, diese Übungen weiterhin durchzuführen.
  • Voltaren zur Bekämpfung der Entzündung: Zwei Mal für jeweils eine ganze Woche schmierte ich mir vor dem Zubettgehen das Knie mit Voltaren ein. Anschließend umwickelte ich es mit Frischhaltefolie und fixierte alles mit einem Knieling. Der Voltaren-Wickel soll dazu beitragen, dass die Haut leicht erweicht und die Wirkstoffe leichter und länger zu den betroffenen Stellen durchdringen können.
  • Retterspitz zur Durchblutungsförderung: Eine Woche lang schmierte ich das Knie vier Mal täglich mit Retterspitz ein, um ebenfalls einer möglichen Entzündung tief im Knie an den Leib zu rücken. Aufgrund der vielen ätherischen Öle ist dies aber sehr geruchsintensiv, was im Büro ggf. nicht auf Gegenliebe stößt. Ich würde es wegen der Geruchskulisse ebenfalls nicht mehr machen wollen.
  • Trotz meiner ausführlichen Einstellungsversuche vereinbarte ich einen Termin zum Bikefitting bei Kom*Sport. Denn das Gefühl blieb, dass ich auf dem Aeroad nicht richtig sitzen kann oder es nicht zu mir passt.
  • Speedplay Zero: Mehr oder minder ein Verzweiflungskauf, weil diesen Pedalen mit ihrer hohen Bewegungsfreiheit Wunder zugeschrieben werden. Ich kaufte sie als Backup, falls sich beim Bikefitting herausstellen sollte, dass diese Pedale besonders gut für mich geeignet sein sollten.
    • Ergänzend dazu kaufte ich neue Radschuhe, um die Cleats an einem Schuh montiert zu bekommen, die ich noch lange fahren kann. Es stellte sich heraus, dass ich zwei verschiedene Schuhgrößen benötige, da meine Füße unterschiedlich lang sind. Egal welches Modell ich testete, mein rechter Fuß stieß immer vorne an. Und letztlich ist die Schuhgröße und Passform extrem wichtig, um hinterher die Cleats optimal positionieren zu können.

 

Falls ihr euch nun fragt, ob und welche Maßnahmen geholfen haben, so schaut doch einfach in ein paar Wochen noch mal vorbei. Die nächste Zwischenmeldung werde ich nach dem Bikefitting in KW 30 verfassen :-)

Hinweis: Ich empfehle ausdrücklich Kniebeschwerden nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und rechtzeitig mit professioneller Unterstützung nach Lösungen zu suchen.