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Max

Spaß im Schnee mit dem ungeliebten Kind

Auf der USA-Tour kostete mich das Trek 720 einige Nerven. Doch als Winterrad bringt es sogar ziemlich viel Spaß.

Ein zweites Leben für das Trek

Nach der USA-Tour stand ich mit meinem Trek ein wenig auf Kriegsfuß. Die vielen gebrochenen Speichen hatten mich derart enttäuscht, dass ich das (noch im Karton verpackte) Rad bei meinen Eltern abstellte und dort erst einmal in der Ecke gammeln ließ. Doch auch wenn es zu diesem Zeitpunkt definitiv nicht mein bevorzugtes Rennrad war und ich die Runden auf dem Canyon genoss, war es immer noch ein Rennrad. Und als der Herbst kam, wusste ich: Du kriegst eine zweite Chance, Trek – als Winterrad, oder wie man unter Radfahrern so treffend sagt: „Winterschlampe“.

Erster Einsatz bei Schmuddelwetter

Über die Überführung von Detmold nach Berlin im Intercity habe ich ja bereits berichtet, ebenfalls von den neuen Laufrädern. Damit sah das Rad nicht nur wieder richtig schick aus, sie gaben auch wieder ein neues, sichereres Fahrgefühl. Dank der immer noch installierten Schutzbleche war es jetzt ideal für das schlechte Wetter gemacht, und so kam es in den letzten Wochen bereits auf einigen Schmuddel-Touren zum Einsatz – und ließ sich auch eigentlich wieder ganz gut fahren. Natürlich ist weder so schick noch fährt es sich wie das Canyon, aber es tut seinen Dienst. Und dass ich etwas mehr Kraft für mein normales Tempo benötige, hat ja irgendwo auch einen guten Trainingseffekt.

Gewagt: Mit nur einer Hand am Lenker über die plattgefahrene und vereiste Schneeschicht
Gewagt: Mit nur einer Hand am Lenker über die plattgefahrene und vereiste Schneeschicht

Wintereinbruch

Letzte Woche brach dann plötzlich der Winter über Berlin ein: Die Temperaturen fielen unter den Gefrierpunkt und die Stadt versank im Schnee, zuerst sogar nur im Süden und Osten. Als ich vergangenes Wochenende also mit dem Trek auf eine Tour startete, begann ein kleines Abenteuer: Waren die meisten Straßen noch geschoben, luden die meisten Radwege (und darunter auch der Mauerweg) zu einem wahren Gleichgewichtstraining und Griptest auf dem plattgefahrenen Schnee und den Eisplatten ein. Mit meinen glatten Rennradreifen ohne Profil kam ich zwar irgendwie voran, aber auf einer Eisschicht hat es mich dann auf dem Mauerweg doch aus der Fassung gebracht.

Spaß trotz Sturz

Eine stilvolle Pirouette später lag ich wie ein Käfer am Boden. Doch ich war nicht alleine: Kurz darauf kam mir sogar ein anderer Radfahrer entgegen, der mich vor dem glatten Weg warnte. Meine pochende Hüfte lachte in diesem Moment nur. Ich setzte meine Fahrt über die schneebedeckten Wege etwas vorsichtiger fort und es begann sogar, noch mehr zu schneien. Der Schnee unter den Reifen war eine willkommene Abwechslung, irgendwie machte die Tour ganz schön viel Spaß und der Nervenkitzel und das Fahren auf dem knirschenden Untergrund reizten mich immer mehr.

Jetzt mit Cross-Reifen, dafür ohne Schnee. Und mit einem sehr befriedigenden Roll-Sound
Jetzt mit Cross-Reifen, dafür ohne Schnee. Und mit einem sehr befriedigenden Roll-Sound

Reifen machen Räder

Deshalb blieb die Begegnung mit dem warnenden Kollegen auch weiter im Gedächtnis. Ein wenig hatte ich mich in sein Crossrad verliebt. Besser gesagt: In die Reifen. Warum hatte ich nicht so welche? Damit würde es sich doch sicherlich besser fahren und noch mehr Spaß machen. Und das Trek ist mit dem Cross-Rahmen doch eh schon quasi ein Crossrad. Kaum hatte ich die Idee dem Flow-Babba erzählt, lagen keine zwei Tage später seine alten Schwalbe Cross-Mäntel in der Post. Nach einem fixen Austausch galt es heute, diese direkt im Schnee auszuprobieren. Doch trotz des groß angekündigten Sturmtiefs Egon und einer schneereichen Woche war der meiste Schnee heute leider schon wieder verschwunden.

Komm zurück, Winter!

Auf einigen Abschnitten des Mauerwegs konnte ich zwar noch auf weißem Untergrund fahren, doch auf diesen Eisplatten hatte ich auch mit Profil keinen Grip. Not macht erfinderisch: Einfach neben den Weg ins schneebedeckte Gras ausweichen. Und siehe da: Ein ganz anderes Fahrgefühl. Der Schnee knirschte wieder beim Überfahren und meine Beine traten kräftig in die Pedale, um gegen den erhöhten Rollwiderstand anzukommen. Da war er wieder, der Spaß! Ich hätte nicht gedacht, dass ich das noch einmal sage, aber: Hoffentlich kommt demnächst noch einmal eine ordentliche Ladung Winter, damit ich das Trek noch einmal richtig durch den Schnee treiben kann. Einen tollen Nebeneffekt hat der Spaß-Faktor übrigens auch: Man vergisst die Kälte um sich herum.

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