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USA 2016

Im Regen über den Highway

Ein wichtiges Zwischenziel ist erreicht: Der Lake Michigan
Ein wichtiges Zwischenziel ist erreicht: Der Lake Michigan

Nass von allen Seiten: Von oben kam der Regen, von der Seite die Aufwirbelungen der dicken Trucks. Und kein Ende in Sicht.

Start im Trockenen

Auch die Nacht im Museums-Gästehaus war wieder sehr bequem, und da heute ebenfalls wieder nur eine kurze Etappe anstand, begann der Morgen ganz gemütlich. Zum Frühstück gab’s das vom Haus zur Verfügung gestellte Instant-Oatmeal, zusätzlich noch Joghurt und Banane. Trotzdem guckte ich immer auf die Uhr, denn ab elf Uhr war Regen gemeldet. Um zehn Uhr saß ich also wieder im Sattel, um die kommenden 60 Kilometer, die fast ausschließlich auf dem Highway verliefen, schnell hinter mich zu bringen und möglichst lange trocken zu bleiben.

Da ließ es sich noch bequem fahren: Zu Beginn war der Highway noch leer und trocken und der Seitenstreifen breit genug
Da ließ es sich noch bequem fahren: Zu Beginn war der Highway noch leer und trocken und der Seitenstreifen breit genug

Wetter schlecht, Straße schlecht

Am Anfang rollte es sich wunderbar. Der Wind gab wieder ordentlich Anschub von hinten, der Highway war schön leer und der Seitenstreifen schön breit. Spannendes passierte aber nicht. Aufregend wurde es dann erst, als aus einem irgendwann aufkommenden Nieselregen doch etwas stärkerer Regen wurde und ich mein Regencape anziehen musste. Mit dem Regen schwand dann leider auch die Verstärkung vom Wind. Dazu kam, dass die Qualität des Highways sich schlagartig verschlechterte. Der Seitenstreifen war plötzlich nur noch knapp einen halben Meter breit und mies asphaltiert. Manchmal konnte man die Schlaglöcher, die mittlerweile vom Regen gefüllt waren, nicht mehr sehen. Zwar wichen die meisten Trucks netterweise auf die linke Spur aus, um mich zu überholen, doch wenn mich einer auf der rechten Spur überholte, wurde es sehr eng und sehr nass.

Der nette Feuerwehrmann

Als ich in einer Einfahrt kurz anhielt, um mir doch noch fix die Überschuhe anzuziehen, hielt plötzlich ein blinkendes Auto neben mir an. Im ersten Moment dachte ich, jetzt würde mir ein Cop sagen, dass ich doch auf einem verbotenen Highway unterwegs bin. Es war aber nur der örtliche Feuerwehrmann, der nur höflich fragte, ob alles okay sei. Er wies mich dann auch noch einmal darauf hin, dass ich auf mich aufpassen soll, denn der Highway sei die kommenden Kilometer wirklich gefährlich. Ich beeilte mich also noch einmal etwas mehr. Irgendwann hatte ich es dann geschafft: Mich begrüßte das Schild von Michigan City.

Im Sommer bestimmt wegen Überfüllung geschlossen, jetzt aber ungemütlich leer
Im Sommer bestimmt wegen Überfüllung geschlossen, jetzt aber ungemütlich leer

Nichts los am Strand

Mein erstes Ziel war Lake Michigan. Nachdem ich bereits den Eriesee kaum zu Gesicht bekam, wollte ich dieses Mal kein Risiko eingehen. Die Straße führte mich auch fast direkt an die Küste. Das Rad stellte ich fix in einem etwas heruntergekommen wirkenden Park unter eine Picknick-Ecke, dann ging es die letzten Meter zu Fuß an den Strand. Doch richtig gemütlich war es da im Wind, der mir den Regen noch mehr an den Körper peitschte, nicht. Also schnell noch ein paar Fotos vom Leuchtturm, von der Marina direkt am Kraftwerk und vom Strand gemacht und schnell zurück.

Während ich Mittagspause machte, wurde der Regen immer stärker
Während ich Mittagspause machte, wurde der Regen immer stärker

Flucht ins Trockene

Der Regen nahm etwas zu und ich hatte mich erst auf 15 Uhr bei meinem Host angekündigt, den ich bei Warmshowers gefunden hatte. So wollte ich die Zeit noch für eine Mittagspause in der Stadt nutzen. Doch es war gar nicht so einfach, hier etwas zu finden. Es gab ein riesiges Outlet-Center an der einen Ecke der Stadt, wo mir Google Maps ein Subway versprach. Die Suche nach etwas anderem gab ich auf, also endete ich hier und vertrödelte etwa eineinhalb Stunden, bevor ich mich endlich aufraffte, wieder aufs Rad zu steigen. Vorher habe ich sogar noch die Subway-Umfrage mitgemacht, um einen kostenlosen Cookie zu kriegen.

Noch mehr Verrückte

Jetzt war es nur noch ein Katzensprung. Nach etwa einer halben Stunde Fahrt vor allem über eine abgelegene Straße durch einen Wald war ich endlich bei meinem Host. Harvey und seine Frau Lynn empfingen mich wieder herzlich, ich hatte hier ebenfalls wieder ein eigenes Zimmer mit eigenem Bad. Noch während ich mit Harvey in ausschweifende Gespräche über Radtouren eintauchte – immerhin hatte er, mittlerweile Ende 80, bereits über 40 Länder mit dem Rad befahren – meldeten sich zwei weitere Radfahrer über Warmshowers an. Als diese später am Abend stark durchnässt auch eintrafen, tauschten wir uns ebenfalls noch etwas aus. Die beiden sind Brüder aus Milwaukee, die innerhalb von neun Tagen den Lake Michigan umrunden möchten – eine ganz gute Herausforderung, denn so stehen jeden Tag mindestens 160 Kilometer an. Am meisten erstaunt war ich dann, als mir einer der beiden erklärte, er sei dieses Jahr vorher erst knapp 70 Kilometer gefahren.

Chicago in Sichtweite

Laut Harvey kann man die Skyline von Chicago direkt von der Düne aus sehen, hinter der er hier direkt wohnt. Aufgrund des schlechten Wetters habe ich aber auf einen weiteren Gang nach draußen verzichtet und werde mich morgen auf zwei Rädern der Skyline nähern. Es stehen noch knapp 90 Kilometer an, die ich meist auf Trails zurücklegen werde. Immerhin soll es morgen tagsüber trocken bleiben. Übrigens: Ohne es zu merken, habe ich bereits die Grenze in die neue Zeitzone überschritten – ich hinke der Deutschen Zeit jetzt also 7 Stunden hinterher.

Die Etappe auf Strava

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