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USA 2016

In den Suburbs von Los Angeles

So, wie man sich das immer vorstellt: Schöne Straßen, Palmen und viele gut gelaunte Menschen
So, wie man sich das immer vorstellt: Schöne Straßen, Palmen und viele gut gelaunte Menschen – Willkommen in den Vororten von L.A.

Ein letztes Mal alles geben: Nach dem vorerst letzten großen Berg rollte es sich bequem in die Vororte von Los Angeles hinein. Der Pazifik ist zum Greifen nah.

Zurück im Gegenwind

Nach einer bequemen Nacht auf dem Sofa bei Ed ging es ausnahmsweise mal wieder erst um neun Uhr los – mittlerweile hatte ich es wieder zurück in ein humanes Klima geschafft. Mit angekündigten Temperaturen um 25 °C war die Motivation, wieder aufs Rad zu steigen, schon eine ganz andere als in den Tagen davor. Auch der Ausblick, bald am Pazifik angekommen zu sein, spornte noch einmal an, alles zu geben. Am Abend hatte ich mir noch eine Warmshowers-Unterkunft in San Gabriel, einem der vielen Vororte von Los Angeles organisiert – so würde mir noch der gesamte Montag für die letzten Kilometer bis zur Küste bleiben. Und diese ganze Motivation hatte ich dann auch mehr als nötig: Kaum hatte ich es auf die Parallelstraße der I-15 geschafft, auf der auch die Radroute 66 verlief, blies mir der Wind wieder ordentlich ins Gesicht. Zwar nicht so extrem wie gestern, aber dennoch kam ich bei den ständigen 1-2% Anstieg nur wieder mit etwa 10 km/h voran.

Die ersten 30 Kilometer folgte ich einer Parallelstraße der I-15 - leider wieder geplagt von Gegenwind
Die ersten 30 Kilometer folgte ich einer Parallelstraße der I-15 – leider wieder geplagt von Gegenwind

Bicycles prohibited? Come on…

Die Kilometer streckten sich in die Unendlichkeit. Zusätzlich wurde mir das Vorankommen durch eine mehr als schlechte Straßenqualität erschwert – aber ich will mich nicht beschweren, denn Kopfsteinpflaster wäre schlimmer gewesen. Mein einziger Lichtblick: Ab Kilometer 34 würde es wieder bergab gehen – und zwar fast für die gesamte restliche Etappe. Also quälte ich mich noch einmal den letzten richtigen Anstieg vor dem Pazifik hinauf. Kurz vor dem Gipfel des Cajon Summit (immerhin noch etwa 1.300 Meter hoch!) wechselte ich dann noch ein letztes Mal für ein kurzes Stück auf die Interstate. Das Schild „Pedestrians, bicycles and motorized bicycles prohibited“ stand zwar noch an der Einfahrt, das „Bicycles“ wurde aber professionell überklebt. Immerhin ging hier auch laut Karte die Radroute her. Also nichts wie rauf auf die Autobahn und die letzten Meter zum höchsten Punkt des Tages erklommen.

Endlich über den Berg: Auf dem kurzen Stück Interstate ging es wieder mit High-Speed voran
Endlich über den Berg: Auf dem kurzen Stück Interstate ging es wieder mit High-Speed voran

Steil bergab

Und all die Mühe hatte sich gelohnt: Meine Befürchtung, aufgrund des Gegenwindes jetzt selbst bergab nicht schnell zu sein, war unbegründet. Mit bis zu 67 km/h knallte ich jetzt neben Trucks und Autos die Interstate herunter – wieder einmal mit einem fantastischen Ausblick. Ich muss zugeben, dass ich so viele Berge so kurz vor der Küste nicht erwartet hätte. Anschließend ging es zurück auf die Historical Route 66, die mehr oder weniger parallel zur Interstate verlief. Zwar hatte ich hier wieder meine Ruhe, doch der Straßenzustand auf einigen Abschnitten war ebenfalls mehr als historical. Ob der unter Denkmalschutz steht? Teilweise konnte man erkennen, dass der Abschnitt der Route 66 hier auch mal zwei Spuren je Richtung gehabt haben muss – die alte Gegenfahrbahn wuchs so langsam neben der eigentlichen Straße zu.

Auch die Historical Route 66 war heute wieder Teil der Strecke - teilweise leider mit sehr historischem Belag
Auch die Historical Route 66 war heute wieder Teil der Strecke – teilweise leider mit sehr historischem Belag

Auf dem Trail Richtung L.A.

Von jetzt an ging eigentlich alles ganz schnell. Die 66 führte mich über ein paar kleinere Dörfer in die ersten Vorboten der großen Metropolregion. In Fontana legte ich dann an einem Fast-Food-Restaurant der Kette „Wienerschnitzel“ noch eine Mittagspause ein, doch es gab hier gar kein Schnitzel. Stattdessen nur ekelig pappigen Hot Dog und Burger, die eher für Magenschmerzen sorgten. Nach der Pause bog ich ziemlich fix auf den „Pacific Electric Trail“ ab, einem wunderbar ausgebauten Radweg entlang einer ehemaligen Eisenbahnstrecke. Hier begegnete ich auch mehreren Fahrradfahrern und sogar Rennradfahrern. Leider stürzte mein Garmin hier nun zum dritten Mal an diesem Tag ab – das hat es vorher erst einmal auf der ganzen Tour gemacht – und ich hoffe, dass das kein schwerwiegendes Problem ist. Auch insgesamt zeigt man gesamtes Material so langsam Ermüdungserscheinungen. Die Schaltung funktioniert nicht mehr ganz so flüssig und das Lenkerband löst sich vom Lenker – aber nach einer Kontinentaldurchquerung ist das auch kein Wunder.

Endlich wieder Trail - auch wenn der "Pacific Electric Trail" durch die vielen Stoppschilder leider sehr langsam machte
Endlich wieder Trail – auch wenn der „Pacific Electric Trail“ durch die vielen Stoppschilder leider sehr langsam machte

L.A.-Vibes

Hinter Upland war der Trail leider vorbei und ich folgte wieder der Route 66, die hier in Form einer dicht befahrenen Hauptstraße durch alle ineinander übergehenden Vororte von Los Angeles führte – immer vorbei an sämtlichen Fast-Food-Ketten, die sich fast wie in einer Schleife immer wiederholten. Das letzte Stück bis San Gabriel verflog dann ziemlich schnell – auch dank des immer weniger werdenden Windes. Und so erreichte ich das Haus von David dann ziemlich fix. Die Gegend ist fast so, wie man sich das immer vorstellt: Lauter schöner Häuser mit Pools inmitten von Palmen, und überall laufen gut gelaunte Menschen herum. In dieser Gegend besonders viele Asiaten, da das hier anscheinend so eine Art Suburb-Chinatown ist. Entsprechend lud mich David auch auf ein Abendessen beim China-Restaurant ein und zeigte mir anschließend noch den riesigen China-Supermarkt, in dem besonders die Fisch-Abteilung eher einem Zoo glich.

Die Etappe auf Strava

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