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USA 2016

Mit vollem Gepäck auf Probefahrt

Bananenpause irgendwo im Nirgendwo
Bananenpause irgendwo im Nirgendwo

Für den Start der großen Tour in wenigen Wochen ist mittlerweile so ziemlich alles zusammen – Zeit also, sich endlich mal mit voll gepacktem Rad auf eine Test-Tour zu begeben und das Rad und die Packliste auf die Probe zu stellen. Das Osterwochenende mit dem frühlingshaften Wetter kamen mir dabei wie gelegen.

Muss das wirklich alles mit?

Während ich am Donnerstagabend dann noch den Gepäckträger als „letztes fehlendes Puzzleteil“ am Rad montiert habe, stand der Karfreitag im Zeichen des Packens. Die Taschen (hinten zwei Ortlieb Back-Roller und vorne – theoretisch – zwei mit dem Rad gelieferten Bontrager-Beutel) waren fix am Rad befestigt, doch die eigentlich knifflige Aufgabe folgte im Anschluss: Was in welche Tasche? Und muss das wirklich alles mit? Schon vor einigen Wochen hatte ich mir eine Packliste zusammengestellt, von der ich jeden Punkt jetzt mindestens zwei Mal überdachte. Klar: Etwas ziviles zum Anziehen muss mit, auch eine zweite Ausstattung Trikot und Hose. Aber schon beim Duschgel dann die Überlegung, ob das nicht auch leichter oder besser geht. Letztendlich hatte ich sogar noch Platz in den Hintertaschen, so dass ich das Zelt dort verstaute und oben auf dem Gepäckträger nur den Schlafsack. Vorne an der Gabel ließ ich auch einen der beiden grünen Bontrager-Taschen weg und platzierte dort dann die Schlafmatte. Dennoch kam ich am Ende auf ein Gesamtgewicht des Rades von 27 Kilogramm (!) – leer wog es am Vorabend noch 11,7 Kilogramm inklusive Gepäckträger.

Die ersten Kilometer: „Das macht Spaß!“

Mit so viel Gewicht hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Und dabei fehlen noch Sachen wie Camping-Kocher und zusätzliches Essen und Trinken. Als erstes muss also die Packliste noch einmal überdacht werden – am Ende zählt jedes Gramm. Egal, mit den 27 Kilogramm ging es jetzt erst einmal los. Beim Heruntertragen des Rades die zwei Stufen vor der Haustür musste ich schon stöhnen. Umso erstaunter war ich, als ich erst einmal im Sattel saß: Mit dem Gepäck fuhr es sich recht bequem und unerwartet gut. Die ersten 30 Kilometer hätte ich sogar jedem, der mir begegnet wäre, erzählt, dass es richtig Spaß macht.

Bananenpause hinter Buchholz
Bananenpause hinter Buchholz

Schnelle Ernüchterung

Doch spätestens ab Kilometer 40 und dem Verlassen des Berliner Stadtgebiets merkte ich, dass das doch gut auf die Beine geht. Bisher wurde ich zusätzlich vom Wind noch mehr geschoben, jetzt standen einige Gegenwind-Abschnitte an. Mehr als 20 Stundenkilometer waren da teilweise tatsächlich nicht drin, aber selbst das würde für die Durchschnittsdistanz bei sechs bis sieben Fahrstunden am Tag reichen. Zur Sicherheit legte ich trotzdem einige Bananen-Pausen ein. Irgendwann ab Kilometer 60 kamen mir sogar Gedanken, ich würde es heute nicht mehr auf die geplanten 130 Kilometer schaffen. Also ging es erst einmal etwas ruhiger weiter und in Eberswalde folgte dann eine etwas ausgedehntere Pause – inklusive Nachschub-Kauf an Bananen.

Routenplanung: Durchgefallen

Die Strecke bis Eberswalde kannte ich bereits von anderen Touren. Ab jetzt wollte ich auch meine Routenplanung auf die Probe stellen und gucken, ob das Garmin auch bei solchen Distanzen noch mitmacht. Das mache ich sonst zwar nicht anders, aber eine Testfahrt ist schließlich eine Testfahrt, keine Ausnahmen. Und ich bin direkt durchgefallen. Meiner Sturrheit sei dank habe ich eine bereits auf der Karte nicht als feste Straße eingezeichnete Strecke als tolle Abkürzung eingeplant – auf dem Satellitenbild wollte ich wohl eine geteerte Straße sehen (Zugegeben: Es hätte alles sein können, aber Teer war eher unwahrscheinlich). Ich kam also nach einigen bereits hügeligen und schönen Abschnitten nach Joachimsthal und stand nun an der Abbiegung, vor mir eine endlose Kopfsteinpflaster-Straße. Rückfrage beim Anwohner: Ja, das bleibt die nächsten zehn Kilometer so.

Jetzt ist das Garmin dran

Man muss es positiv sehen: So konnte ich auch die Navi-Funktion für Rennräder in meinem Garmin Edge 1000 mal richtig testen. Also Ziel eingegeben – Route steht. 15 Kilometer Umweg waren ebenfalls vertretbar – dafür eben Gegenwind auf den letzten Kilometer. Dennoch musste ich meinem Garmin anschließend auf die Schulter klopfen, denn der Zufall plant immer noch die schönsten Strecken. Ich wusste bis Templin nicht, wo genau ich war, aber es war schön da. Das merke ich mir definitiv für eine weitere Ausfahrt.

Die schönsten Strecken plant immer noch der Zufall - ein Hoch auf das Garmin
Die schönsten Strecken plant immer noch der Zufall – ein Hoch auf das Garmin

Mit der Speiche bricht auch das Vertrauen

Ab Templin hieß es also in den sauren Apfel beißen und wieder gegen den Wind kämpfen. Dazu kam, dass die Strecke auch einige kurze, aber knackige „Anstiege“ (für Brandenburg bereits ganz schön steil!) bereithielt. Nach 140 Kilometern merkt man dann erst, wie schwer 27 Kilo bei 3% Steigung wirklich sind. Etwa zehn Kilometer vor dem Ziel dann aus heiterem Himmel: Speichenbruch. Das Geräusch kannte ich bisher nicht und ich hoffe, dass ich es nicht so schnell wieder hören werde – aber dass mir direkt bei der Testfahrt eine Speiche bricht, war schon ziemlich ernüchternd. In einigen Testberichten zum Rad hatte ich zwar bereits davon gelesen, aber immer gehofft, dass das alles Montagsräder gewesen sind. Meins jetzt wohl auch – leider hatte ich aber keine Ersatzspeiche dabei. Es fuhr sich noch, also vorsichtig die letzten Kilometer bestreiten.

Eine kalte Nacht im Zelt

Auch das Zelt sollte im Rahmen der Test-Tour genau ausprobiert werden. Aufgebaut war es tatsächlich sehr schnell und unkompliziert, es stand ohne Heringe. Innen war genug Platz für mich und das Gepäck, es machte alles einen gemütlichen Eindruck. Und die erste Stunde im Schlafsack war auch trotz der 5°C noch recht warm – doch dann wurde es schnell ziemlich kühl, trotz Extradecke von Oma. Und die richtige Schlafposition schien ich auch nicht finden zu können. Auf die Idee, mein Gepäck als Kissen zu benutzen, kam ich dann vor Kälte und Müdigkeit auch nicht mehr. Die Nacht endete also leider recht schlaflos und mit dem Gedanken, bei solchen Temperaturen wohl doch eher ein Motel aufzusuchen.

Abfahrt am nächsten Morgen
Abfahrt am nächsten Morgen

Das Fazit

Wäre die Speiche nicht gebrochen, hätte ich die Tour als vollen Erfolg verbucht. Nach dem Tief vor Eberswalde lief die zweite Hälfte doch besser als gedacht und auch die 15 Extra-Kilometer machten nicht viel aus. Vor Gegenwind habe ich weiterhin Respekt, aber selbst ein 20er-Schnitt wäre für das Vorankommen okay. Jetzt wird erst einmal die Speiche repariert, ein Satz Ersatz-Speichen besorgt und am Gewicht geschraubt.

Die Tour auf Strava

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